Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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20.05.2022

 Vollbild anzeigenDie Redaktion von Kosova-Aktuell ist nicht immer mit der Kosovo Berichterstattung des Journalisten Enver Robelli einverstanden. Dennoch drucken wir einen sehr gelungenen Artikel von Herrn Robelli, aus der heutigen „ Sonntagszeitung“ als Dokument ab. Der Artikel beschäftigt sich mit der Situation in Nord Kosova.---- Artikel Dokumentation--- Pristina Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Lage im Norden des Kosovo in eine offene

Foto Serbische Demonstraten

 Eskalation münden würde. Seit Tagen hat die Nato-Friedenstruppe Kfor die serbischen Extremisten bekniet, die Strassenblockaden zu räumen. Die Appelle verhallten ungehört. Nun mussten die Nato-Soldaten handeln - auch um ihrer Glaubwürdigkeit willen. Einige Sperren sind inzwischen geräumt, andere bleiben bestehen, es gibt mehrere verletzte Soldaten. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Nato-Truppen und den Serben im Hinterland der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica ging auch am Samstag weiter. Der Widerstand der Serben richtet sich gegen die Präsenz kosovo-albanischer Zöllner an der Grenze zu Serbien.

Das Gebiet wird seit dem Ende des Kosovo-Krieges 1999 faktisch von Belgrad kontrolliert. Hier haben sogenannte Parallelinstitutionen das Sagen, die aus der Belgrader Staatskasse grosszügig alimentiert werden. Lehrer, Ärzte, Förster, Zivilstandesbeamte - sie alle erhalten ihre Löhne aus Serbien. Anders als im Rest von Kosovo ist in der Region der Dinar offizielle Währung. Die Serben in Nordkosovo sind für die Belgrader Führung das Faustpfand, mit dem die territoriale Teilung des seit knapp vier Jahren unabhängigen Kosovo durchgesetzt werden soll.

Für Serbien ist das Kosovo-Engagement sehr kostspielig. Gemäss einer Studie des Belgrader Zentrums für praktische Politik (ZPP) hat der Staat seit Ende des Krieges vor zwölf Jahren die serbischen Institutionen im Kosovo mit etwa sechs Milliarden Euro unterstützt. Jährlich überweist die Regierung den Serben im Kosovo über eine halbe Milliarde Euro.

Mit anderen Worten: Aus dem serbischen Haushalt fliessen pro Sekunde 16 Euro zum Erhalt des Kosovo. Jeder der acht Millionen Bürger Serbiens zahlt etwa 63 Euro pro Jahr für den Traum von der Rückeroberung des Amselfelds. Demgegenüber beträgt der Durchschnittslohn nur gerade 300 Euro und ist damit einer der niedrigsten in Europa. Die 1,6 Millionen Rentner erhalten gerade mal 200 Euro im Monat. Seit das ZPP eine «Kosovo-Uhr» ins Internet gestellt hat, die ununterbrochen die Kosten aufsummiert, werden kritische Stimmen zu diesen Ausgaben laut.

Angesichts der gigantischen Kosten für die abgefallene Provinz erinnert sich mancher Serbe an ein Gedicht des Dichters Matija Beckovic. Kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens vor 20 Jahren hatte der Autor den Kosovo als «das teuerste serbische Wort» bezeichnet. Mit dem Vers wollte er damals das extreme Nationalbewusstsein seiner Landsleute stärken. Heute klingt das Gedicht den verarmten Bürgern nur noch als zynische Eskapade.

Publiziert am 23.10.2011

Von Enver Robelli

 

Entnommen aus http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/artikel-detailseiten/?newsid=193848