Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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25.05.2019

In Albanien gibt es zwei wichtige Nationalfeiertage, den 28. November und den 29. November. Am 28. November 1912 wurde in Vlora die albanische Unabhängigkeit durch den Demokraten und Patrioten Ismail Qemali verkündet. Nach über 500 Jahren wehte über Albanien wieder die Fahne Skanderbegs. Für alle Albaner ist dieser Tag ein wichtiger Tag in ihrer nationalen Geschichte. Die „Liga von Prizren“ formulierte im Jahr 1878 öffentlich den Wunsch des albanischen Volkes nach nationaler Selbstbestimmung. Gleichzeitig beinhaltete das Program der „Liga von Prizren“ demokratische und antifeudale Positionen. Friedrich Engels nannte im gleichen Jahr die „Liga von Prizren“, „die fortschrittlichste bürgerlich demokratische Bewegung auf dem Balkan“.

Bekanntlich wurde im Jahr 1912 nur ein Teil der Forderungen der „Liga von Prizren“ umgesetzt und nur das heutige Albanien letztendlich von der Londoner Botschafterkonferenz im Mai 1913 anerkannt. Viele albanisch bevölkerte Gebiete in Montenegro, Kosova/o, Mazedonien und in Griechenland durften sich nicht mit ihrem Mutterland vereinigen. Diese offene Wunde sorgte für viel Ungemach in der Geschichte Südosteuropas. Die italienischen und deutschen Faschisten versuchten sich nach der Besetzung des Balkans 1941, als „Befreier des albanischen Volkes“ aufzuspielen. Dennoch weigerte sich die überwältigende Mehrheit der Albaner, mit dem Faschismus zu kollaborieren. Im heutigen Albanien operierten damals starke antifaschistische Partisanenverbände unter der Leitung von Enver Hoxha. Auch in Kosova waren die antifaschistischen Kämpfer gegen den Faschismus unvergleichlich stärker, als die Verbände der Kollaborateure. Fadil Hoxha ( lange Jahre im jugoslawischen Staatspräsidium) berichtet in seinen Memoiren von 50.000 albanischen Partisanen aus Kosova.

Am 29. November 1944 befreiten die Partisanen endgültig Albanien vom Faschismus. Seither ist der 29. November der zweite Nationalfeiertag in Albanien. Diesen Feier- und Gedenktag will die seit Herbst 2005 regierende „Demokratische Partei“ unter dem Rechtspopulisten Sali Berisha abschaffen.


Konflikt um den 29. November

Bereits vor einigen Wochen bekundeten führende Politiker der DP (Demokratische Partei Albaniens) ihre Absicht den 29. November als Feier und Gedenktag abzuschaffen. Die Partei von Herrn Berisha, die kein antifaschistisches Gedenken in Albanien mehr will, ist international besonders eng mit der deutschen CDU/CSU verbunden. Das Vorhaben, den 29. November als Nationalfeiertag abzuschaffen, stieß in Albanien auf scharfe Ablehnung. Vor allem der Verband der „Antifaschistischen Nationalen Befreiungskämpfer“ (LANC) protestierte heftig gegen das Ansinnen der Regierung.

Am 26. November gab die Regierung bekannt, dass sie keinerlei Zeremonie und Festlichkeit aus Anlaß des 29. November durchführen werde. Die oppositionelle „Sozialistische Partei“ sowie die LSI ( Bewegung für soziale Integration) und andere Gruppierungen riefen umgehend zu selbständigen Feierlichkeiten und Demonstrationen am 29. November auf. Der Vorsitzende der LSI, Ilir Meta, erklärte am 26. November gegenüber der Presse in Tirana: „ Die Regierung zeigt ihr wahres Gesicht, sie beleidigt unsere antifaschistischen Kämpfer. Das vergossene Blut unserer Partisanen wird von der reaktionären Clique um Berisha ignoriert. Mit diesem Beschluß zeigt die Regierung ihren antidemokratischen Charakter, ihr politisch rechtes Programm und ihre antidemokratische Grundorientierung, stellt sie offen zur Schau“ . Die Haltung der Demokraten“ zur antifaschistischen Befreiung wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Partei von Ibrahim Rugova (LDK) in Kosova. „Präsident“ Rugova und der albanische Ministerpräsident Berisha gelten als enge politische Partner.


Max Brym

Quellen: Shekulli 26.11.05, http://www.mekulipress.com, http://www.Kosova-Aktuell.de