Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:47
30.03.2017

Die Bundesregierung schiebt massenhaft Menschen nach Kosova, Albanien, Montenegro und Mazedonien ab. Angeblich handelt es sich bei den genannten Staaten um „sichere Herkunftsländer“. Täglich fliegen Flugzeuge mit abgeschobenen Menschen von bundesdeutschen Flughäfen aus in die Region. Dolmetscher und Bundespolizisten begleiten die zwangsweise Abgeschoben. In diesem Text geht es in

erster Linie um die Lage der in Kosova lebenden Roma . Thematisiert wird insbesondere die schreckliche Lebenssituation von Roma und Ashkali in Kosova. Kurz muss allerdings auf die allgemeine soziale Katastrophe in Kosova hingewiesen werden . In Kosova müssen derzeit 18 % der Menschen in extremer Armut, mit weniger als einem Euro pro Tag ihr Leben gestalten. Der Euro ist in Kosova Landeswährung, bis auf Kaffee und Zigaretten lassen sich die Preise mit den Lebenshaltungskosten in Deutschland vergleichen. 36 % der Bevölkerung leben nach offiziellen Angaben von weniger als 2 Euro pro Tag. Die Jugendarbeitslosigkeit dürfte bei 80 % liegen. Es gibt in Kosova keinerlei Arbeitslosengeld, sowie keinerlei kostenlose Gesundheitsversorgung. Das Leben in Armut, ein Leben ohne Strom, ein Leben ohne Wasser, ein Leben in Kälte, stellt eine Form von Folter dar. Abschiebungen nach Kosovo sind daher generell ein inhumaner grausamer Akt. Dies insbesondere weil deutsche Politik in Kosova maßgeblich zu dem sozialen Desaster beigetragen hat. Viele deutsche Experten und Berater leiteten und leiten in Kosova den neoliberalen Privatisierungsprozess an . Die Privatisierungen kosteten bis dato nach Gewerkschaftsangaben, knapp 77.000 Arbeitsplätze. Nun aber zur extrem schweren Lage der Roma und Ashkali in Fushë Kosova in der Nähe der Landeshauptstadt Prishtina

 

Lagebeschreibung

 

Knapp 12.000 Roma und Ashkali leben einst in Fushë Kosova. Während des Krieges wurde der Großteil ihrer Häuser zerstört. Heute hausen diese Menschen in einem speziellen Gebiet hinter dem einst wichtigen Bahnhof. Dort leben knapp 4500 Personen. Die Straßen in dem Viertel sind nicht asphaltiert. Die selbst zusammen gebauten Häuser besitzen in aller Regel keinen betonierten Fußboden. Es gibt in dem Viertel, keinen Anschluss an Strom und keine Kanalisation. Die Menschen leben in extremen Elend. Nach Angaben des Romasprechers Fehmi Gashi haben nur 1% der aus dem Gebiet stammenden Personen Arbeit. Nach Meinung des Sprechers ist es völlig sinnlos sich für eine freie Stelle oder eine halbwegs gut bezahlte Stelle als Roma zu bewerben. Die rassistische Diskriminierung der Roma und Ashkali  ist an der Tagesordnung. Leben müssen die Menschen von 60 € pro Familie im Monat mit fünf Kindern. Eine Familie mit sieben Kindern erhält 75 € Sozialhilfe. Damit ist die nackte Existenz nicht gesichert. Ein Laib Brot kostet im Kosova mehr als in Deutschland. Der Preis für 1 l Milch lässt sich ziemlich genau mit dem Preisen in deutschen Supermärkten vergleichen. Der so genannte „Familienzuschlag“ gilt allerdings nur für Kinder bis zum fünften Lebensjahr. Etwas ironisch meinte der Romasprecher: „ Wir werden ja fast schon gezwungen immer wieder Kinder zu machen, um bei 60 oder 75 € im Monat zu verbleiben.“ Selbstverständlich wüten Krankheiten in dem Roma und Ashkali  Viertel . Weit verbreitet sind Lungenerkrankungen und Krebs. Medikamente und Behandlungen sind für die erkrankten Menschen nicht finanzierbar. Besonders im Winter ist die Situation der Menschen dramatisch. Der Winter ist ohne Heizung, ohne Gasanschluss zu bewältigen in einem Gebiet in dem Winter oft kälter sind als in Deutschland.

 

Roma und Ashkali 

 

Die Roma und Ashkali  unterscheiden sich sprachlich. Bei den Roma ist die Muttersprache , die Sprache der Roma. Daneben sprechen sie natürlich noch albanisch. Ashkali  hingegen sprechen auch privat und in den Familien albanisch. Die Tradition der Kultur der beiden Gruppen sind eng miteinander verwandt. Prinzipiell werden sie in Kosova nicht nur finanziell, sowie bei der Vergabe von Arbeitsplätzen rassistisch benachteiligt sondern es gibt häufig ungeahndete polizeiliche Übergriffe gegen Roma. Die Haupteinnahmequelle für viele Familien in Fushë Kosova sind ihre Kinder . Viele Frauen sind täglich mit ihren Kindern an wichtige Autokreuzungen in Prishtina. Dort springen die Kinder auf die Automobile, waschen die Autoscheiben in der Hoffnung dafür einige Cent zu erhalten. Dennoch besuchen rund 100 Roma- Kinder und knapp 700 Ashkali  Kinder die örtliche Schule. Der Romasprecher verweist immer wieder darauf wie sehr die Anliegen der Roma und der Ashkali  im Gemeindeparlament ignoriert werden. Sowohl die Roma- Partei PEBRK als auch die Ashkali  Partei PDASHK haben im Stadtrat jeweils einen Sitz. Vom Prinzip her wird jeder ihrer Anträge von den dominierenden Parteien LDK und PDK, sowie dem LDK Bürgermeister ignoriert. Nur die „ Bewegung für Selbstbestimmung VV“ unterstützt die gerechten sozialen Forderungen von PEBRK und PDASHK. Vor Ort gibt es keine internationale NGO mehr, die versucht die Not der Roma und Ashkali zu mildern. Geradezu katastrophal wirkt sich jetzt, die so genannte Rückführung von Roma und Ashkali durch die Bundesregierung aus. Das Horrorwohngebiet in Fushë Kosova wird wieder größer. Auch die Situation der Roma im Nord Kosova ( serbisch dominiert) in Leposavic ist mit der Situation in Fushë Kosova vergleichbar. Es gilt in der Bundesrepublik Deutschland konkrete Solidarität mit allen sozial unterdrückten Menschen in Kosova zu entwickeln und gleichzeitig gegen jegliche Abschiebung Stellung zu beziehen. Insbesondere sollte die Bundesregierung an ihre historische Verantwortung bezüglich der Roma erinnert werden. Der Hitler- Faschismus führte neben dem Genozid an den Juden, einen Genozid an den Roma durch. Die Abschiebungen nach Kosova stellen einen reaktionären menschenfeindlichen Akt, insbesondere gegen Roma und Ashkali  dar.


Überleben im Kosovo: Kadira wurde in Deutschland geboren und nach Fushe Kosova abgeschoben. Nun sammelt sie Müll, damit die Familie ein Einkommen hat. Foto: Ruben Neugebauer / Chris Grodotzki


Arm im Armenhaus Europas: Roma in Fushe Kosove durchsuchen eine Müllhalde nach Verwertbarem.

Arm im Armenhaus Europas: Roma in Fushe Kosove durchsuchen eine Müllhalde nach Verwertbarem.
Bild: Keystone

 

 

 

Von Redaktion Werbeanzeige Buch von Max Brym „ Es begann in Altötting „

 

 

Bestellungen unter http://www.amazon.de/Es-begann-Alt%C3%B6tting-Max-Brym/dp/3944264703