Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
11:34
19.11.2017

Vollbild anzeigenDer Kurzroman von May Brym wirft eine paradoxe Frage auf: Kann ein Mensch schuldig sein ohne Schuld zu haben? Der Leser fragt sich, dass das doch nicht möglich sein kann. Und dennoch, hier wird eine tatsächliche (und tragischerweise typische) Lebens- und Leidensgeschichte einer hübschen jungen Frau namens Albana aus dem Kosovo

 

nachgezeichnet, wie sie drastischer nicht sein kann.

 

Widerliche und verrohte Soldaten, serbische Tschetniks, vergewaltigen Albana in ihrem

bäuerlich geprägtem Zuhause im letzten Balkankrieg. Albana und ihre Familie werden

erniedrigt im Sinne einer bewusst organisierten Kriegsführung.

 

Die Protagonistin muss ihre Familie, die in ihrer Ehre zutiefst verletzt worden ist, verlassen und

sie zieht in die Hauptstadt Pristina, wo sie ihren in der Vergewaltigung gezeugten Sohn Adem

zur Welt bringt.

 

Wie im real existierenden Kapitalismus nicht anders zu erwarten, gibt es in Pristina weder

Arbeit und noch eine Lebensperspektive, trotz Albanas guter Ausbildung an der Universität im

Fach Deutsch. Gleichwohl stellen ihr „Diplomaten“ aus den UN- und EU–Behörden unter dem

Schutzmantel der „Immunität“ sexuell nach. Aus der finanziellen Notsituation heraus wird sie

schliesslich zu einer Edel-Prostituierten, um sich und ihren Sohn durchzukriegen. Schliesslich

muss für Adem viel Schulgeld bezahlt werden, die Wohnungsmiete ebenfalls aufgebracht

werden und die Lebenshaltungskosten, wie bei uns in Euro, beglichen werden.

 

Der Autor Max Brym benutzt eine drastische Sprache, um Albanas Lebensweg zur sexuellen

und politischen Befreiung zu besprechen. Das muss der Leser erst einmal verdauen. Aber

das ist wiederum gewollt, um die Erniedrigung der Lebensverhältnisse im Kosovo deutlich zu

machen.

 

Schliesslich gelingt es Albana aus den Fängen der Edelprostitution loszukommen. Ihr neuer,

verständiger Lebenspartner Enver ist ihr dabei eine wesentliche Hilfe. Den beiden gelingt

es, sich ein Leben der sexuellen und politischen Befreiung aufzubauen und sie werden im

Sinne einer alternativ, genuin sozialistischen Gestaltung der unmittelbaren und langfristig

gesellschaftlichen Verhältnisse im Kosovo aktiv.

 

Ihr Leben wird konstruktiv mit Sinn erfüllt – im Sinne einer permanenten inneren und äußeren

Revolution.

 

Albanas zentraler Abschlusssatz steht als Leitmotif für den gesamten emanzipatorischen

Roman „Ich werde kämpfen für mich, für meinen Jungen und für alle die erniedrigt und

unterdrückt sind“.

 

Peter Schmidt, München

„ Schuld ohne Schuld - ein Leben im Kosova“ von Max Brym, Re Di Roma-Verlag, 2012.

 

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