Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
21:34
20.08.2019

 Brief aus Kosova an die Redaktion - Mein Mann und ich haben drei Kinder. Wir alle leben in tiefstem Elend. Keiner meiner drei Söhne hat Arbeit. Jeden Tag steht mein Mann an einer bekannten Stelle in Prishtina und bietet seine Arbeitskraft für einen Tag, irgend einem Unternehmer oder Bauherrn an. Nur jeden dritten Tag wird er beschäftigt. Dann kommt er

mit maximal 10 Euro heim. Mein Mann war einst ein liebenswürdiger und selbstbewusster Mensch. Jetzt ist er frustriert und aggressiv. Hin und wieder schlägt er mir ohne Vorwarnung ins Gesicht. In unsere Familie ist nicht nur Armut, sondern auch Frust und Aggressivität eingekehrt. Bis vor drei Jahren lebten wir in Deutschland. Wir schlugen uns als Familie durch. Doch dann mussten wir zurückkehren. Die Behörden ignorierten, dass meine Kinder in Deutschland in der Schule auf einem guten Weg waren. Wir hatten gegen den Zwang zur Rückkehr keine Chance. Die bundesdeutschen Behörden meinten: „ In Kosova gibt es Stabilität“ und „ wir haben eine Rückkehrvereinbarung mit der kosovarischen Regierung“. Dagegen war nichts zu machen. Hier gibt es aber -wenn es so bleibt wie es ist- keine Zukunft. Was meine Söhne treiben weiß ich oft nicht mehr. Arbeit gibt es für sie keine. Mein Mann ist nur noch deprimiert Ich selbst werde früher alt und depressiv. Eine medizinische Behandlung ist für mich nicht finanzierbar. Hier gibt es keine Krankenversicherung. Was mich besonders empört sind unsere politischen „ Lichtgestalten“. Sie selbst leben im Reichtum und argumentieren nur phrasenhaft. Immer wieder sprechen sie vom „Standart“ der „ Integration in die EU“ und vom angeblich „ erfolgreichen Privatisierungsprozess“. Daneben verarmt das Volk. Immer mehr Familien werden zerstört, der Begriff „ Solidarität“ hat keinerlei Bedeutung mehr. Als Vorbild wird der Jugend der wendige Geschäftsmann präsentiert. Perspektivisch wird es aber zu einer Explosion kommen müssen. Viele können und wollen nicht mehr so leben. Die Alternative lautet: Zugrundegehen, abhauen, oder eine Revolution machen. Ich bin für das letztere. Bitte halten Sie meinen Namen geheim.

 

Viele Grüße aus Kosova

 

Frau A. S