Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
16:47
24.05.2019

Die Präsidentin Kosovas Frau Jahjaga  gab dem ZDF Morgenmagazin ein unsägliches Interview. Unsere "oberste Repräsentantin"  war nicht im Stande auf eine einzige Frage der ZDF Moderatorin zur wirtschaftlichen und politischen Lage in Kosova konkret Stellung zu beziehen. Frau Jahjaga sprach völlig unabhängig von der Fragestellung über Fußball, Jugend und Events. Nichts als Phrasen hatte die

Präsidentin zu bieten. Der unpolitische Auftritt wird den deutschen Medien, wie der „Welt“ kritisiert und ironisch bewertet. In der Tat, es wurde nicht über die soziale Katastrophe im Kosova gesprochen. Daher bin ich gezwungen dem deutschen Lesepublikum einige wichtige Informationen über das soziale und politische und ökonomische Desaster in Kosova mitzuteilen. In Kosova existiert eine Jugendarbeitslosigkeit von 70 %. Die offizielle Arbeitslosenquote wird mit etwas über 40 % angegeben dürfte aber real gerechnet bei 60 % liegen. Der Privatisierungsprozess hat in Kosova bis dato knapp 77.000 Arbeitsplätze vernichtet. Die Verdienste der Arbeiter liegen in den privatisierten Betrieben zwischen 150 und 250 € pro Monat. Die Preislage in Kosova ist mit der Preislage in Deutschland und bei vielen Produkten sogar mit der Preislage in der Schweiz vergleichbar. Ein Arbeiter in der staatlichen Industrie bekommt noch zwischen 400 und 500 € pro Monat. Diese Verdienste mit sind Löhne mit denen ein Arbeiter die Armut direkt spürt. Selbst diese kargen Löhne werden durch den neoliberalen Privatisierungsprozess infrage gestellt. Knapp 18 % der Bevölkerung leben von 0,96 € pro Tag. Damit leben Sie in extremer Armut und sind täglich dabei zu überlegen wie sie die nötigen Kalorien zusammen bekommen. Etwas mehr als 36 % der Bevölkerung leben von weniger als zwei Euro am Tag. Die Armut ist in Kosova ein Massenphänomen. Es existiert keine Krankenversicherung. Jede Krankheit wird zum finanziellen Abenteuer. Wenn du arm bist musst du früher sterben. In der privatisierten Industrie gibt es keinerlei Kündigungsschutzrechte für die Arbeiter. Arbeitszeitregelungen stehen nur auf dem Papier. Dieses Desaster hat die UNMIK und EU Verwaltung in Kosova direkt zu verantworten. Sie setzen auf Privatisierungen und die Liquidierung sämtlicher sozialer Standards. Dabei arbeiten sie mit der örtlichen politischen Kaste aufs engste zusammen. Die Mafia in Kosova versucht gegenwärtig ihr schwarz verdientes und gestohlenes Geld zu legalisieren und zu waschen. Mit dem Auge ist das beispielsweise in Fushe Kosova direkt feststellbar. Es entsteht ein Immobilienprojekt neben dem anderen, es eröffnet ein Supermarkt neben dem nächsten und es entstehen jede Menge privater Universitäten, sowie eine Unzahl von Privatkliniken. Knapp 6 % der Bevölkerung Kosovas besitzen ein unglaubliches Vermögen. Dieses Vermögen haben sie akkumuliert über die Besetzung von Staatsposition und mit dem richtigen Parteibuch. All dies weist die EU Verwaltung im Kosova EULEX. Die weit verbreitete Korruption wird von der EULEX nicht bekämpft. Im Gegenteil, viele EU Richter, Staatsanwälte, sowie Polizisten sind mit der örtlichen politischen Mafia und der Korruption direkt verbunden. Die EULEX ist selbst korrupt. Vor einigen Monaten sprach darüber einen britische Staatsanwältin mit der Tageszeitung „ Koha Ditore“. Die Staatsanwältin erklärte und belegte mit Dokumenten, dass die EU Richter in Kosova gegen 300.000 € Schmiergeld beispielsweise Mordermittlungen in drei Fällen einstellten. Kurz nachdem die britische Staatsanwältin der Öffentlichkeit informierte wurde sie durch ihre Vorgesetzten wegen „Illoyalität“ entlassen. Das Anwachsen von gefährlichen islamistischen Strömungen in Kosova hat mit dem Phänomen der Massenarmut, sowie mit dem Abzug sämtlicher westlicher NGOs zu tun. Speziell die Türkei, aber auch Saudi-Arabien, eröffnen im Kosova eine Moschee und eine islamistische Einrichtung neben der anderen. Diese Leute versuchen mittels „sozialer Geschenke“ und Hasspredigten islamistische Kämpfer anzuwerben. Letzteres ist Ihnen bis dato nur im geringen Ausmaß gelungen. In Bosnien existieren mehr direkte Terrorzellen der IS als in Kosova. Dennoch muss mit dieser islamistischen Gefahr gerechnet werden. Der Westen kann sie dabei nicht aus seiner eigenen Verantwortung stehlen. Der Neoliberalismus mit all seinen sozialen Grausamkeiten sowie seiner kulturellen Perspektivlosigkeit, können den Islamismus attraktiv machen. Notwendig ist in Kosova der Aufbau einer sozialen Widerstandsbewegung auf laizistischer Grundlage. Die Religion hat daneben ihren Platz als Privatangelegenheit jedes einzelnen Menschen. Völlig absurd ist die Behauptung in der heutigen Münchner „Abendzeitung“, die ich gerade im Internet gelesen haben wonach die längst aufgelöste und entwaffnete UCK der Baustein für islamistische Terrorzellen sei. Nein leider kämpfen knapp 200 Kosovaren an der Seite des IS. Diese Zahl ist erschreckend aber sie steht in keinem Verhältnis zur Zahl von Islamisten aus Deutschland oder gar der Türkei in Syrien und im Irak. Es gilt kühlen Kopf zu behalten Realitäten zu erfassen und an einer sozialen und demokratischen Perspektive zu arbeiten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ilir S. Kosova

Fotos von der Präsidentin  

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