Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
22:36
22.06.2017

Für all diejenigen, die bis heute die Begriffe Albaner, Kosovo und Albanien nicht sortiert bekommen, habe ich das unten stehende Video geteilt Lieber Jean-Christophe Victor, du hast mich schon als Kind um meine Hausaufgaben gebracht. Ruhe in Frieden!  Ein bisschen was muss ich dennoch korrigieren: Die KFOR-Mission umfasst heute weniger als 5000 Soldaten (davon 750 deutsche Soldaten vor Ort und 700 Reservisten in Deutschland). Heute haben wir eine

ethnische Zusammensetzung aus 92% Albanern, 4% Serben und 4% andere Minderheiten.

Es ist besonders wichtig zu wissen, dass auch im Norden der Stadt Mitrovica Albaner leben. So auch ein Teil meiner Verwandtschaft. 
Was die Brücke zwischen Nord- und Südteil angeht, muss man wissen, dass es seitens der Albaner mehrere Bestrebungen gab diese im Sinne einer friedlichen Nachbarschaft zu öffnen. So zuletzt vor einigen Wochen. Nachdem die Brücke geöffnet wurde, errichteten die Serben im Nordteil jedoch kurzerhand eine zwei Meter hohe Betonmauer, die bis heute steht.
 All dies obwohl Ende des Krieges tausende Albaner von Serben (unter Beobachtung der französischen KFOR-Truppen) gewaltsam in den Süden der Stadt vertrieben wurden.

Ja, auch ich bin der Meinung, dass es nicht der richtige Weg ist jeder Bevölkerungsgruppe einen eigenen Staat zu gewähren. Einen Vergleich zwischen dem Präzedenzfall Kosovo und dem Baskenland, der Republika Srpska oder den Ungarn in der Slowakei zu machen ist jedoch falsch! Die Nichtanerkennung der Republik Kosovo eben damit zu begründen, bedeutet das Schicksal des Kosovo unter Milosevic zu tolerieren.

Nur ein kleiner Ausschnitt dazu: 
Nachdem Milosevics' Serbien 1989 der Provinz Kosovo die Autonomie aufhob, brachte dieser durch Einschüchterungsversuche, Diskriminierungs- und Zwangsmaßnahmen sämtliche öffentliche Einrichtungen und wirtschaftliche Betriebe unter die direkte Kontrolle der serbischen Behörden. 
Zwischen 1990 und 1995 wurden 20 000 albanische Lehrer entlassen, weil diese sich weigerten, den serbischen Lehrplänen zu folgen, die den Unterricht im albanischer Sprache, Kultur und Geschichte auf ein Minimum reduzierten. Der Unterricht musste heimlich in Kellern fortgeführt werden.
Selbst im Gesundheitswesen wurde das albanische durch ungelerntes serbisches Personal ersetzt.
1995 stellte die International Helsinki Federation for Human Rights fest, dass schwere Menschenrechtsverletzungen an der albanischen ZIVILBEVÖLKERUNG vorgenommen würden: Physische Misshandlung bis Folter, Hausdurchsuchungen und willkürliche Festnahmen vermehrten sich. Bis 1994 seien danach an 10 000 albanischen Beamten schwere Menschenrechtsverletzungen vorgenommen worden. 
Im selben Jahr forderte Amnesty International eine "Urgent Action" nachdem mehrere Todesfälle bekannt geworden waren.
Diese stellte weiterhin fest, dass bis 1995 600 albanischen Familien die Wohnungen beraubt und Serben zugeteilt wurden. Zeitgleich entwickelte das Milosevic-Regime ein spezielles Finanzierungsprogramm, welches Serben und Montenegrinern kostenlose Wohnungen und Grundstücke, sowie langfristige Kredite und Arbeitsplätze in Kosovo versprach. Alles im Sinne der ethnischen Säuberung. 
Und nachdem Milosevics' Serbien zeitgleich Slowenien bombardierte, etwa 13 000 Menschen in Kroatien und 100 000 Menschen in Bosnien tötete, fuhren sie mit ihren Panzern in den Kosovo (dazu keine weitere Ausführung).

Wenn ich mir die Abspaltungsbestrebungen einiger CSU-Anhänger anhöre, weil der Länderfinanzausgleich so unfair ist, kann ich nur den Kopf schütteln.

Die Unabhängigkeit des Kosovo war richtig. 
Jean-Christophe Victor hatte recht: es hätte Investitionen in die Bildung geben müssen; dies belegen die letzten PISA-Ergebnisse. 
Um Richard David Precht zu zitieren: " [...] zum Einsetzen von Intelligenz gehören sowohl eine starke Motivation als auch eine Kultur, in der dieser Aufwand an Intelligenz gefordert, gefördert und belohnt wird."
Eine Kultur, die wegen der korrupten Machtelite und der EULEX bislang nicht entstehen konnte. 
Aber auch deshalb, weil es diese Milosevic-Elite ist, die auch heute noch in Serbien regiert, sich plötzlich als Demokraten darstellt aber dennoch dem kleinen Kosovo, wo es nur geht, die Funktionalität erschwert. Ein Serbien, dass sich für die Krim-Annexion ausspricht und von Russland bewaffnen lässt ist weder Europa noch dem Kosovo zuzumuten.

Dennoch gibt es Hoffnung! 

Video auf ARTE 

 

https://www.dailymotion.com/video/x2ybio8_mit-offenen-karten-kleinstaat-kosovo_news