Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
21:58
15.10.2018

Von Deniz Faber Der Schreiber dieses Artikels ist Österreicher mit viel Bezug zu Kosova. Meine Frau stammt aus Peja in Kosova. Sie ist eine ziemlich große Sympathisantin der „ Bewegung für Selbstbestimmung“ VV. Ich selber würde mich als politisch links stehend verorten. Einige meinen ich wäre ultralinks und trotzkistisch. Momentan stellt sich die Frage: „ Wie geht es weiter mit

VV“ nach dem internen Knall. Dazu einige unverbindliche Vorschläge aus der Ferne. Zunächst aber nochmals zur momentanen Lage. Dem Artikel von G.G aus Prizren stimme ich weitgehend zu. Er schrieb auf Kosova-Aktuell:“ Einige Parlamentsabgeordnete von VV (Bewegung für Selbstbestimmung) droschen mit unsäglichen Worten-„Albin ist Sch..“.- in SMS Botschaften und in Facebook auf den wieder einmal im Gefängnis sitzenden Albin Kurti ein. Aida Dërguti VV (stellvertretende Parlamentspräsidentin) scheint die Wortführerin 

dieser Fraktion zu sein. Aber auch andere Abgeordnete wie Fisnik Ismaili, Dardan Molliqaj und Shqipe Pantina wenden sich gegen Kurti. Angeblich verhindert Kurti, die Demokratisierung der Partei. Bestimmte Leute wollen die neuerliche Wahl von Albin Kurti, zum Vorsitzenden von VV verhindern. Dahinter verbirgt sich so einiges. Das Ganze kommt zwar in den Medien als persönlicher Konflikt daher, in Wahrheit gibt es jedoch unterschiedliche politische Orientierungen. Der herrschende Pronto Clan, die Millionäre wissen, dass ihre einzige Chance, um weiter an der Macht zu bleiben, die Spaltung von VV ist. Deshalb erklärte der PDK Haudegen und Bürgermeister von Drenas Ramiz Lladrovci: „ Auch ich bin mit Aida“. Es gibt um es auf den Punkt zu bringen in VV Leute welche sich mit der herrschenden Macht arrangieren wollen. Das sind klassische Opportunisten, welche im Gewandt von aufgeklärten Liberalen einherschreiten. Jedem in Kosova ist klar, dass ohne Albin Kurti VV nichts nachhaltiges erreichen kann. Nur Kurti ist imstande die Massen zu begeistern. Letzteres hat mit seiner Rhetorik, seiner Biografie und Unbeugsamkeit zu tun. Die Parlamentswahlen mit mehr als 27% für VV im Juni belegen dies nachhaltig. Die Wirkung von Shpend Ahmeti ist hingegen begrenzt. Er gewann sehr knapp als Amtsinhaber, die Bürgermeisterwahlen in Prishtina. Der Wahlerfolg von VV in Prizren hat sehr viel mit der Person Kurti zu tun. Letzteres bestreitet  Aida Dërguti.  In einigen Facebook Posts wird seit Wochen für eine sogenannte „ Normalisierung“ von VV geworben. Ein gewisser Thaci verurteilt u.a. die Boxeinlage von Frasher Krasniqi, VV gegen den VISA Betrüger Zeka (NISMA) im TV. In der Tat, VV hat sich nicht von dem in einem faschistoiden Terrorurteil zu mehr als 8 Jahren Haft verurteilten Abgeordneten Krasniqi distanziert.“

Mittlerweile ist Aida Dërguti von ihrem Posten in der Leitung von VV zurückgetreten. In den sozialen Netzwerken ist eine Welle der Solidarisierung mit Kurti losgebrochen. Das „ Leitende Gremium“ von VV konnte vor zwei Tagen versichern, dass es keine Spaltung von VV gibt. Der wieder einmal im Gefängnis sitzende Albin Kurti hat das Recht erhalten zum Parteivorsitzenden zu kandidieren. Das ist ein demokratischer Vorgang. Aber die Probleme liegen tiefer. G. G aus Prizren schrieb:“ Der Clan Pronto versucht VV zu spalten. Die Person Kurti soll delegitimiert werden. Vor einigen Jahren wurden drei wichtige Mitglieder von VV aus Albanien nach Albanien ausgewiesen. Der Aktivist von VV Astrit Dehari, wurde im Gefängnis ermordet. Andere wurden ohne jegliche juristische Basis von faschistoiden Gerichten zu insgesamt 21 Jahren Haft verurteilt. Der Sozialdemokrat Dr., Sadri Ramabaja VV sitzt ohne Beweise wegen angeblichem Terrorismus, seit Anfang Oktober in Kosova in Haft. Jede Spaltung von VV nützt dem Mafia Regime in Kosova und muss entschieden zurückgewiesen werden.

Differenzen innerhalb von VV müssen auf der Basis inhaltlicher Debatten ausgetragen werden. Es ist an der Zeit zuzugeben, dass es innerhalb von VV bürgerliche Liberale, Sozialdemokraten Marxisten und Menschen ohne große inhaltliche Positionierung gibt. Alle müssen die Möglichkeit erhalten sich als politische Tendenz in VV zu organisieren. Wenn dies nicht gemacht wird, passieren scheinbar aus dem Nichts heraus, die oben beschriebenen Dinge. Ohne reale politische Debatte erscheinen Angriffe auf Albin Kurti persönlich motiviert. Dies ist aber nur ein Randphänomen. In Wahrheit geht es einigen darum endlich im System „anzukommen“ und den radikalen Kurti zu entsorgen.“

 

Der letzte Absatz ist besonders wichtig. VV ist eine linke nationaldemokratische Partei. Der Patriotismus von VV richtet sich nicht gegen andere nationale Gruppen in Kosova. VV fordert das Recht auf Selbstbestimmung gegen den in Kosova herrschenden Neokolonialismus, sowie gegen den alten serbischen Chauvinismus. Soweit so gut. Aber es gibt unterschiedliche politische Anschauungen in VV. Der Autor schlägt vor alle Strömungen auf der Basis von politischen Dokumenten zu legalisieren. Die marxistische Tendenz muss die Möglichkeit erhalten offen mit ihren Inhalten aufzutreten. Das gilt genauso für die bürgerlichen Liberalen, die Sozialdemokraten, sowie die Leute welche mit dem politischen Islamismus sympathisieren. Anschließend muss ein Parteikongress auf Basis der Mehrheit die Grundorientierung nach umfassender Debatte festlegen. Die unterlegene Tendenz muss in der Leitung entsprechend ihrer Prozentzahl vertreten sein. Anschließend gilt der Mehrheitsbeschluss für alle Mitglieder nach außen. Nur so kann eine Spaltung verhindert werden. Natürlich wird Kurti wieder Parteivorsitzender. Alles andere wäre politischer Selbstmord. Auf der Basis umfassender demokratischer Debatten wird für alle klar, wofür die einzelnen Personen stehen. Dadurch werden Spaltungsversuche entschieden bekämpft. In VV gibt es politische Differenzen. Diese müssen frei inhaltlich benannt werden dürfen. Andernfalls sieht es nach einer nur persönlicher Konfliktlage aus. Letzteres ist gefährlich und ermöglicht dem Parteigeheimdienst der PDK, SHIK und ihren Medien „Skandale“ und „Spaltungsprozesse“ zu produzieren.

Anmerkung Gastkommentare spiegeln die Meinung des Autors und nicht der Redaktion wieder 

Foto Albin Kurti 

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