Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
20:21
20.11.2019
Kürzlich war ich bei meinen Eltern in Prishtina zu Besuch. Der Zustand meines Landes Kosova ist katastrophal. Mein Vater verdient 135 Euro im Monat. Davon muss er meine Mutter und meine beiden Schwestern ernähren. Die Preise in Kosova haben zu 80% mitteleuropäischen Standard. Die Armut ist in meiner Familie ständiger Gast. Dabei hat meine Familie noch Glück, denn zumindest der Vater hat noch Arbeit. Mehr als 60% meiner Landsleute haben keine Arbeit. Es gibt in Kosova keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Erst ab dem 50 LEBENSJAHR bekommt man unter Umständen eine Art von

Sozialhilfe in der Höhe von 40 Euro im Monat. Knapp 200.000 Menschen arbeiten in den privatisierten Betrieben. Dort beträgt die Arbeitszeit im Schnitt 12 Stunden am Tag. Der Tagesverdienst beträgt 10 Euro. Die Arbeiter haben keinerlei Kündigungschutzgesetze und keine Arbeitsverträge. Dennoch feiert die Privatisierungsagentur AKM, die Privatisierung als Erfolg. In dreißig Privatisierungsrunden wurden für den lächerlichen Betrag von 380 Millionen Euro, über 300 Firmen verkauft. Daraus entstanden über 500 Firmen, die schwach gerechnet 70.000 Arbeiter auf die Straße warfen. Gegenwärtig schuldet die AKM den Arbeitern noch über 60 Millionen Euro an Abfindung. Nach den offiziellen Regularien müssen die Arbeiter 20% vom Verkaufserlös erhalten, bis dato wurden aber nur 15 Millionen an die Arbeiter ausbezahlt. Das Ganze ist ein einziger sozialer Skandal.

Die Bauern

Den Bauern in Kosova geht es nicht besser. Ihre Höfe sind oft relativ klein und die Raiffeisenbank aus Österreich nimmt Nominalzinssätze von 11,8%, der Effektivzins liegt bei 14%. Bestimmte Studien sagen, dass ein Bauer um 50 Euro zu verdienen, 350 Euro investieren muss. Die Bauern sind den Preisdiktaten der Lieferanten von landwirtschaftlicher Technologie, landwirtschaftlichen Futter und Düngemitteln gnadenlos ausgeliefert. Zwischen den landwirtschaftlichen Erzeugerpreise und den Verkaufspreisen der Handelsketten in den Geschäften existiert eine große Preisschere. Die Masse der Bauern in Kosova stehen am Abgrund.

Die Privilegierten

Ungefähr 6% der Bevölkerung leben im Luxus. Sie haben sich durch kriminelle Geschäfte schamlos bereichert und versuchen so eine normale kapitalistische Klasse zu werden. Diese Typen unterwerfen sich bedingungslos der UNMIK oder der EUMIK. Diese Leute benutzen Parteien und patriotische Phrasen nur um sich zu bereichern. An wirklicher Selbstbestimmung oder gar an sozialer Gerechtigkeit haben sie keinerlei Interesse.

 

Alternative

Es muss gelingen in Kosova den Kampf um Selbstbestimmung, mit dem Kampf um soziale Befreiung zu kombinieren. Nach meinen Eindrücken können nur die Arbeiter, die Bauern und die sozial marganalisierten Schichten, die patriotischen und sozialen Probleme lösen. Es gibt keinen Grund und es ist eine gefährliche Falle einen Typen im Armanianzug über den Weg zu trauen, selbst wenn er sich als Patriot ausgibt.



Blerim C Innsbruck