Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
16:47
22.04.2019
Der international bekannteste albanische Schriftsteller Ismail Kadare, hatte am Dienstag den 11. September eine Lesung in München. Im vollbesetzten Saal des Literaturhauses am Salvatorplatz gab es allerdings wenig literarische Köstlichkeiten zu genießen. Herr Kadare und sein Dolmetscher Joachim Röhm überboten sich an Peinlichkeiten und betrieben Publikumsbeschimpfung. Nichts anderes hatten die beiden Herren in München zu bieten.

„Albanische Provokateure“

Der Saal begann zu kochen als der Herausgeber von Kosova-Aktuell Max Brym, Herrn Kadare fragte warum er zu den „mörderischen Ereignissen am 10. Februar 2007 in Prishtina geschwiegen hatte“. Herr Brym schilderte kurz den Polizeiterror der am 10. Februar in Prishtina zwei Menschenleben gefordert hatten. An diesem Tag feuerten rumänische Polizisten unter dem Befehl des Oberkommandierenden Steven Curtis, in eine friedliche Massendemonstration für Selbstbestimmung. Dabei starben zwei Demonstranten und über 80 wurden schwer verletzt. Herr Brym meinte es gehört zur Verantwortung eines Schriftstellers, gegen solche koloniale Praktiken seine Stimme zu erheben. Außerdem wollte Herr Brym etwas zu der Debatte zwischen Kadare und Rexhep Qosja wissen. Dolmetscher Röhm und der Veranstaltungsleiter versuchten den Beitrag von Herrn Brym permanent zu unterbrechen. Bezeichnend war die Antwort von Ismail Kadare. Kadare sagte: „ In Kosova sind unsere BESTEN FREUNDE stationiert. Es kann halt mal passieren, dass es dabei zu gewissen Zwischenfällen kommt, das ist normal.“. Joachim Röhm unterstellte Herrn Brym „stalinistische Argumente“ zu benützen. Die Unruhe im Saal wurde immer größer. Zwei albanische Diskussionsteilnehmer fragten Herrn Kadare, wie er zur „Einheit der albanischen Nation stehe“ und „warum in seinen neuen Werken die soziale Frage keine Rolle spiele“. Daraufhin rastete Kadare aus und ging zur Publikumsbeschimpfung über. Kadare erklärte wörtlich, „ich hätte nicht gedacht, dass ich in München von albanischen Provokateuren empfangen werde“. Joachim Röhm versuchte das Publikum zu beruhigen und meinte: „ Hier sprechen nur Vertreter von kleinen Gruppen, die den Geist Europas noch nicht kapiert hätten“. Der nervöse Joachim Röhm bat das Publikum nur noch streng literarische Fragen zu stellen. Daraufhin meldete sich ein Albaner, welcher seine Jugend in Tirana verbrachte zu Wort. Er fragte Herrn Kadare nach seinem Buch „ Der große Winter“. In diesem Buch schreibt Kadare sehr positiv über Enver Hoxha. Der Diskutant erklärte, „wir haben in den achtziger Jahren ihre Bücher alle in der Schule in Albanien gelesen“. Die Antwort von Kadare war nur noch peinlich Kadare meinte, „ das Buch -Der große Winter- richtete sich gegen das damalige Regime in Albanien“. Daraufhin brach ein großer Teil des Publikums in Gelächter aus. Eine junge albanische Studentin meinte beim hinausgehen: „ Kadare ist ein talentierter Opportunist zuerst feiert er kritiklos das Regime unter Hoxha ab , heute wirft er sich den scheinbar mächtigen kapitalistischen Staaten ebenso kritiklos an den Hals“.