Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
19:11
17.08.2018
Der gewerkschaftliche Dachverband in Kosova heißt BSPK ( Vereinigung Unabhängiger Gewerkschaften Kosovas). Dem Dachverband gehören 14 Einzelgewerkschaften an. Am 28. April brachten 6 gewählte Sekretäre von Einzelgewerkschaften ihrer Unzufriedenheit mit der Arbeit der BSPK zum Ausdruck. Dazu veranstalteten sie eine Pressekonferenz in Prishtina. Vertreten waren Sherif Fejzullahu, für die Energiegewerkschaft, Hasan Abazi, für die Metallarbeiter, Isuf Asemi, für die Beschäftigten in Kleinbetrieben, Osmon Hasani, für die Angestellten im Hotel und Tourismusbereich, Avni Ajdini für die Bauarbeiter und Sejdi Begu, für die Minenarbeitergewerkschaft. Offen droht in Kosova eine Spaltung der Gewerkschaftsbewegung. Die Sprecher der genannten Einzelgewerkschaften kritisierten den bürokratischen Stil der Gewerkschaftsführung und deren Verrat an den konkreten Interessen der Arbeiter.
 Was wird dem BSPK konkret vorgeworfen ?

Gegenwärtig läuft in Kosova die zweite Runde im sogenannten Privatisierungsprozeß ab. Die Privatisierung wird von der KTA ( Kosova Treuhandagentur) durchgeführt. Unter der Leitung des Deutschen Bernhard Rücker werden die Produktionsanlagen Kosovas feilgeboten. Kosova ist eines der rohstoffreichsten Gebiete in Europa. Haufenweise befindet sich im Boden Kosovas, Braunkohle, Zink, Nickel, Kupfer, Blei, Gold und anderes. Bis 1989 waren die Fabriken Gruppeneigentum der Arbeiter. Danach wurden die Arbeiter gezwungen in staatlichen Aktiengesellschaften Anteile zu erwerben. Diese spezielle Methode der Privatisierung führte unter Milosevic dazu, die Arbeiter mit einer Aktienbeteiligung von maximal 20% an den Betrieben zu beteiligen. Den Löwenanteil erwarben ab 1990 meist serbische Bürokraten und Manager und einen Teil behielt der serbische Staat mit der klaren Zielstellung, diesen Anteil an eine zu schaffende serbische Bourgeoisie abzutreten.

Bekanntlich gab es ab Mitte der neunziger Jahre keine albanische Arbeiterschaft mehr in den Betrieben. Im gegebenen Privatisierungsprozeß wird in der Realität den Arbeitern kein Eigentumstitel an den Produktionsanlagen in Kosova zuerkannt. In der KTA sitzen auch Vertreter der Gewerkschaften, die BSPK. Zur Arbeit der Gewerkschaftsführung in der Treuhandagentur sagte Hasan Abazi: „Nach der Privatisierung des Betriebes Energoinvest sind viele Arbeiter auf der Straße gelandet ohne jegliches Recht. Unsere Arbeiter haben die Leitung des BSPK angegriffen, denn sie vertraten nicht unsere Interessen in der KTA. Sie vertraten nicht unsere Forderungen, einen sozialen Fond einzurichten und vor jeder Privatisierung die Arbeiter zu fragen“.

Sherif Fejzullahu griff neben den Gewerkschaftsvertretern in der KTA auch Vertreter der kosovarischen Regierung an. Er erklärte: „Warum hat es die Regierung abgelehnt unsere kollektiven Rechte im Zusammenhang mit der Privatisierung zu akzeptieren ?“ Immer wieder kam auch der Privatisierungsfall Ferronikel zur Sprache. Ferronikel ist ein Betrieb der erst 1980 die Produktion aufnahm. Der Betrieb ist relativ modern und förderte und verarbeitete zu seinen besten Zeiten 7.000 Tonnen Nikel pro Jahr. Jetzt wurde der Betrieb zur Privatisierung ausgeschrieben und das höchste Angebot von ADI-Nikel liegt bei 27 Millionen Euro.

Dagegen haben die Arbeiter Protest angekündigt. Die Arbeiter haben selbst Fachgutachten erstellen lassen wonach der Betrieb mindestens 300 Millionen Euro Wert ist. Sie stellen die Frage, ob es sich Kosova leisten kann so mit seinem Nationalreichtum umzugehen ? Außerdem wagen es die Gewerkschaftsvertreter zu bezweifeln, „dass alle 1900 Arbeiter weiter beschäftigt werden“. Auf konkrete Fragen hin antworteten sie, sie wären imstande den Betrieb selbständig mit einer Anschubfinanzierung weiterzuführen.


Ultimatum an die BSPK

Auf der Pressekonferenz drohten die sechs Gewerkschaftsvertreter mit der Gründung einer neuen „wirklichen Gewerkschaft“ wenn sich nicht bald der Stil und die Richtung im BSPK ändert. Als Beispiele wurden genannt, „dass die letzten drei Jahre kein Gewerkschaftskongreß mehr stattfand und Schreiben von Einzelgewerkschaften an den BSPK schlicht ignoriert und nicht beantwortet werden“ Ali Dragusha stellvertretender Vorsitzender des BSPK bestritt gegenüber der Presse alle Vorwürfe. Er betonte: Wir haben immer darauf bestanden, „dass innerhalb der KTA ein sozialer Fond entsteht aber wir haben nicht die Macht uns gegen andere durchzusetzen. Außerdem diskutieren wir überall und beantworten sämtliche Briefe."

Quellen: Koha Ditore 29.04.05 Kosovapress http://www.Kosova-Aktuell.de http://www.a-i-z.net/maxbrym.