Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:01
27.06.2019
Gerald Knaus ist Leiter der bürgerlichen „European Stabillity Initative“ die in Kosova einige Themen untersuchte. Am 18.8.04 gab Knaus der DW ein Interview das interessante Aspekte enthält. Die „Initiative“ erstellte einen dreißigseitigen Bericht über die ökonomische Situation und die Lage der Menschen in der geteilten Stadt Mitrovica.
Der Bericht und andere Fragen

In dem Bericht ist zu lesen: „ In Mitrovica ist die Lebenslage der Albaner und der Serben extrem unterschiedlich. Die Serben in Nord-Mitrovica haben ein höheres Pro-Kopf-Einkommen, da sie Transfers sowohl von der Kosovo-Verwaltung als auch von Belgrad erhalten. Wer in Nord- Mitrovica für staatliche Stellen arbeitet, verdient das doppelte wie im übrigen Mitrovica.“ Gegenüber der DW erklärte Herr Knaus, „in Süd Mitrovica ist die Lage katastrophal. Wenn die Leute nicht Verwandte im Ausland hätten, gäbe es dort gar keine Hoffnung. Die Lage wird sich weiter verschlechtern.“

Mit dieser Diagnose liegt die „Initiative“ und Herr Knaus vollständig richtig. In der Tat, in dem ehemaligen Industrie und Bergbauzentrum Mitrovica ist das Leben trist und perspektivlos. Einst erreichte das Kombinat Trepca die zweithöchste Zink und Bleiförderquote in Europa. In den Gruben des Kombinats wurden wertvolle Silber und Goldvorkommen abgebaut. Für das frühere Jugoslawien war Trepca ein wichtiger Devisenbringer, internationale Gläubigerbanken akzeptierten damals die Rohstoffe Trepcas als Sicherheit für gestreckte oder erhöhte Kreditlinien.

Heute ist die Stadt geteilt, die Produktion ruht. Das Ansinnen der „Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft“ aus Mitrovica, in den Gruben den Abbau der Vorkommen in Eigenregie wiederaufzunehmen, wurde bereits im Jahr 1999 von der UNMIK abgelehnt. Die Bergarbeiter durften lediglich unentgeltlich die Gruben vor dem Absaufen retten. Die UNMIK hat die Absicht rentable Bereiche zu privatisieren. Dabei kam sie keinen Schritt voran, dennoch wird der Anspruch der Arbeiter, Eigentümer der Anlagen zu sein von der UNMIK Bürokratie brutal zurückgewiesen.

Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Gesamt-Mitrovica lebt in Schmutz und Elend. Für alle Nationalitäten ist das Leben eine grausame Realität, auch für die etwas besser gestellten Serben in Nord-Mitrovica. Die oben zitierte bürgerliche Studie beschreibt die Lebensrealität richtig, ohne mit einem Wort auf die Lösungsvorschläge der Bergarbeitergewerkschaft einzugehen. Die Gewerkschaft verfügt über einen konkreten Plan zur Wiederaufnahme der Produktion ( Die UNMIK selbst hielt im Jahr 2000 den Plan für realisierbar) zudem grenzt der Produktionsplan keinen wegen seiner Nationalität aus. Das multinationale Vorhaben, der alten albanischen Arbeitervorhut aus Mitrovica, ist sowohl für Mitrovica, Trepca sowie für Gesamt-Kosova wichtig.

Es hat die Erkenntnis zu reifen, dass Nationalismus oder gar Chauvinismus niemanden satt machen und keine Stube wärmen. Die nationale Konfrontation muß in Kosova beendet werden, denn sie nützt nur imperialen Gebilden wie der UNMIK oder dem chauvinistischen serbischen Staat. Die herrschenden Cliquen in Belgrad pflegen immer noch den Kosovo Mythos um die Reaktivierung der serbischen Arbeiterbewegung zu verhindern. Die Mehrheit der Serben in Kosova läßt sich leider von Belgrad instrumentalisieren, die Mehrheit der Albaner ist mit nationalistischem Gift infiziert.


Welcher Ausweg

In Kosova ist soziales Problembewußtsein entwickelt. Den Menschen ist bewußt wie schlecht sie leben. Das gilt für alle nationalen Gruppen. Dennoch gibt es nur marginal internationalistisches Klassenbewußtsein. Jede vernünftige soziale Regung wird eliminiert durch nationalistische Rhetorik. Auch dies gilt für alle nationale Gruppen. Das Problem kann nicht durch tolle Reden, oder theoretische Haarspaltereien gelöst werden. Ohne Selbstbestimmungsrecht, das den Kosovaren nach dem Mehrheitsprinzip ermöglicht, ihre staatliche Zukunft selbst zu bestimmen wird es keine Möglichkeit zur Entwicklung sozialistischer Positionen geben. Der Protektoratstatus verunmöglicht nicht nur jede wirtschaftliche Perspektive, sondern das Protektorat lebt von nationalistischen Streitigkeiten. Nur der Status der Unabhängigkeit bietet die Chance, dass emanzipatorische und soziale Bewegungen sich wiederbeleben können. Das ist eine Chance, keine Garantie. Garantiert werden kann jedoch, ohne Lösung der nationalen Frage, ohne Unabhängigkeit Kosovas wird sich kein nennenswertes Klassenbewußtsein entwickeln.

Quellen: Radio DW 18.8.04 Koha Ditore 19.8.04 –„Max Brym Brennende Steine Kosova München 2000“ http://www.a-i-z.net/maxbrym Interview mit Aziz Abrashi –
Literaturempfehlung:„Balkanföderation u. Arbeiterbewegung Marxismus NR. 19 Wien 2002 ISBN 3-901831-15-0“