Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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27.06.2019
Vollbild anzeigenDie sogenannte Gewerkschaft BSPK in Kosova, führte wieder keine 1. Mai Demonstration in Prishtina durch.Dies obwohl real gerechnet die Arbeitslosigkeit bei 60% liegt und viele beschäftigte Arbeiter schlecht bezahlte Arbeit ohne jeglichen Kündigungsschutz durchführen. Es fand nur ein „Runder Tisch“ unter dem Motto: „ Für Arbeiterrechte und die europäische Integration“ statt Ansonsten lud die Gewerkschaft BSPK , die Menschen zum feiern in den Park Germia ein. Dies war absurd und schändlich. Dagegen steht eine Erklärung der „ Bewegung für Selbstbestimmung“ VETËVENDOSJE! zum 1. Mai. VETËVENDOSJE! fordert zum Kampf für Arbeiterrechte und zum Widerstand gegen die Privatisierung auf.

 

 

1. Mai in Tirana

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Eine ausgesprochen kämpferische und internationalistische Demonstration fand in Tirana statt. Unter roten Fahnen marschierten einige hundert Personen durch Tirana. Die Hauptparole der Demonstration war: Für die Befreiung der Arbeiter- Für die Befreiung des Volkes. Hier ein Video unter dem Titel „Das rote Albanien“ http://www.youtube.com/watch?v=vQP4zhFw71k

 

Mai Demonstration in Schaffhausen Schweiz

 

Viele Albaner und Albanerinnen nahmen an der Kundgebung von UNIA am 1. Mai teil. Dabei sprach der aus Kosova stammende Gewerkschafter Osman Osmani. Wir dokumentieren hier die Rede von Osman Osmani in Deutsch und Albanisch

 

Dokumentation Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Genossinnen und Genossen!

Wir leben in einer dynamischen Zeit, in der sich vieles schnell ändert. Hier und weltweit. Dennoch sind die Probleme mehr oder weniger die gleichen geblieben. Die Welt ist, nach wie vor, zweigeteilt, in Reiche und Arme. In Habende und wenig bis nichts Habende. Diese Schere öffnet sich weiter.

Zur gleichen Zeit der Mehrheit der Gesellschaft, die wenig bis nichts besitzt, v. a. die Arbeitnehmer und Arbeitsuchenden, unabhängig davon, ob Einheimische oder Zugewanderte, ob in der Schweiz, Spanien, Kosova, Irland, Portugal, Griechenland oder auch Asien und Afrika, müssen die schwerwiegenden Folgen dieser enormen und ungebremsten Gier und Unverschämtheit auf ihren Rücken ertragen.

Es kann nicht sein, dass die reichen Macht-Eliten sich skrupellos bereichern, nicht nur auf unsere Kosten – sondern auch auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder. Immer mehr Menschen weltweit empfinden das als ungerecht. Sie wollen, dass die Chancen gerechter verteilt werden. Wir müssen entschieden Nein sagen, zu dieser beispiellosen Arroganz und der Feudalisierung der Demokratie.

Liebe Freunde
Um den eigenen politischen Profit zu steigern, lenken die Rechten, die im Dienste des Kapitals und der Finanzwirtschaft stehen, in unserem Land, mit millionenschweren Dauerkampagnen von den wahren Ursachen der gesellschaftlichen Probleme ab. Nicht zu glauben, aber ihnen gelingt es, uns weiss zu machen, dass unsere Probleme von den Ausländern kommen und somit erreichen die Menschen gegeneinander aufzubringen. Gleichzeitig werden wichtige Gesetze zur Verteilung von Reichtum nach Oben verabschieden. Ein altes Teile und Herrsche- Spiel, die leider immer noch zu funktionieren scheint… Anstatt das wir uns den wahren Problemen widmen, lassen wir uns durch Scheinprobleme ablenken. Dieses Rezept hat auch bei der fünften Revision der Invalidenversicherung funktioniert: Der Abbau bei der IV wurde, mit der Bekämpfung von Scheininvaliden und dem Kampf gegen den Missbrauch durch Ausländer, schmackhaft gemacht. Mit Erfolg, aber zu welchem Preis? Der Abbau bei der IV betrifft aber alle.


Liebe Genossinnen und Genossen, Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Lassen wir uns nicht von rechten Politikern verwirren. Lassen wir es nicht zu, dass sie uns „einen anderen Bild der Schweiz“ aufzwingen. Die Schweiz ist ein moderner Rechtsstatt, eine Demokratie und kein einheitliches ethnisches und sprachliches Gebilde. Sie ist eine heterogene „Willensnation“. Das ist ihre Stärke. Eine Willensnation, kann nur Erfolg und Bestand haben, wenn sie auf Werte baut, wie; Toleranz, gegenseitiger Respekt und Solidarität. Trotz Röstigraben und Polentagraben, funktioniert diese Willensnation ziemlich gut. Wo sie aber zunehmend Schwierigkeiten beweist, ist der Umgang mit den Zugewanderten. Hier zeigt sich die Schweiz von heute zunehmend intoleranter. Sind die Ausländer wirklich die Sündenböcke für alles. Vorgestern als Sündenböcke für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme waren es die Italiener, gestern die Flüchtlinge oder sogenannte Asylanten, heute sind es ArbeitsmigrantInnen. Morgen könnten es die eingebürgerten „Nicht-Eidgenossen“ sein. Danach die „Nicht-Gleichsprachigen“ und die „Nicht-Gleichdenkenden“. Ein schreckliches Szenario…

Die Niederlassungsbewilligung wird als Voraussetzung für das Gesuch zur Einbürgerung gesetzlich verankert. Diese Niederlassung können die EU-Bürgerinnen nach 5 Jahren Aufenthalt bekommen. Die Drittstaatenangehörige können diese nach 10, 15 Jahren, oder auch nie bekommen. Wir kennen unzählige Beispiele aus Kantonen in der Zentralschweiz, wo die Migranten, - ich betone es; kein kriminelle Ausländer oder solche die als Kriminaltouristen genannt werden, sondern Arbeitsmigranten -, die auch nach 20-30 Jahren Aufenthalt und Arbeit auf Baustellen und Betrieben, immer noch den B Ausweis haben. Ihre Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind, haben auch nur den B-Ausweis.
Die Voraussetzung für die Einbürgerung an die Niederlassung zu verknüpfen, ohne klar das Recht auf Niederlassungsbewilligung im Ausländergesetz zu verankern, ist sicher kein Fortschritt. Ich befürchte sogar, dass wir hier einen Schritt vorwärts und drei rückwärts machen werden.

Liebe Anwesende:
Alles was die Politikerinnen und Politiker tun hat Folgen für die Menschen. Egal ob diese politische Entscheide, hier getroffen wurden, oder im Herkunftsland von Migrantinnen und Migranten. Ein krasses Beispiel dafür, ist der einseitige Entscheid des Bundesrates, das Sozialversicherungsabkommen mit der Republik Kosova nicht weiterzuführen. Seit April 2010 können Menschen aus Kosova nicht mehr selber entscheiden, wo sie ihre wohl verdiente Altersrente beziehen wollen. Das sind euere Arbeitskolleginnen und Kollegen auf den Baustellen, in den Restaurants, in den Fabriken und überall. Diese Menschen dürfen zwar in die Sozialversicherungen einzahlen, aber darüber wo sie ihre Rente beziehen möchten haben sie nichts zu sagen. Der politische Hintergrund, der zum Entscheid geführt hat, wird vom Bundesrat kleingeredet. Auch heute, drei Jahren und einen Monat danach, ist die Lage weiterhin diffus.
Wir hoffen und verlangen, dass die beiden Regierungen baldmöglichst handeln indem sie Verhandlungen für ein neues Abkommen aufnehmen und dass bis dahin das alte Sozialversicherungsabkommen weiterhin Anwendung findet.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
In diesem Zusammenhang will ich noch etwas betonen: Es gibt keinen grossen Unterschied zwischen Abzockern hier und korrupten Politiker in unseren Herkunftsländern…Eine kleine macht-gierige lokale Elite in Südosteuropa, erzielt mit Hilfe und Unterstützung internationaler Machthaber, einen grossen Profit, durch die Volksenteignung, durch die Privatisierung von gemeinschaftlichem und gesellschaftlichem Hab und Gut, von allen möglichen Lebensgrundlagen, womit die Lebensperspektiven nicht nur für jetzige, sondern auch für nachkommende Generationen, zerstört werden… Dies zeigt nochmals mehr, wie sich die Reichen und Spekulanten aller Art miteinander solidarisieren, um ihre Privilegien und ihre Finanzmacht mit allen Mitteln zu legitimieren und langfristig zu festigen.
Diesen Entwicklungen, beispielsweise in Kosovar, stellen sich nebst geschwächten Gewerkschaften vor allem die Studentenbewegung für Soziale Gleichberechtigung und der Bewegung Selbstbestimmung widersetzend entgegen. Diese sind auf unsere Solidarität angewiesen.

Wir können und müssen diesen ungünstigen Entwicklungen überall entgegenwirken:
- Wir wollen eine Wirtschaft, die den Menschen dient…
- Wir wollen korrekte Arbeitsbedingungen, die auch verbindlich in Gesamtarbeitsverträgen abgesichert sind…
und dies wird:
- durch gesetzlich verankerte Mindestlöhne anstatt Lohndumping realisiert!
- durch die Schliessung der Lohnschere!
- durch eine ausgeglichene Sozial- und Steuerpolitik!

Setzen wir uns gemeinsam ein, liebe Kolleginnen und Kollegen, zusammen mit unserer Gewerkschaft für bessere Arbeitsbedingungen,… in den Baustellen, Betrieben und überall wo es nötig ist, aktiv und solidarisch für eine bessere Welt, für Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenrechte.
Liebe Freunde
Abschliessend noch ein Appell: an Landsleute meiner Herkunft; an alle MigrantInnen; aber auch an Euch- meine Landsleute der Gegenwart:… zeigt mehr Zivilcourage,… lasst einander nicht im Stich, und zeigt Solidarität mit euren Arbeitskolleginnen und -Kollegen im Alltag!!!

Die Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund haben eine zusätzliche Aufgabe und Pflicht, nämlich die Situation rund um die Arbeitswelt in ihren Herkunftsländer immer wieder anzusprechen und die Öffentlichkeit für mehr Solidarität mit den Arbeiterbewegungen weltweit zu sensibilisieren. Und erst, wenn jeder von uns dies fortdauernd tut, so entsteht die zwischenmenschliche, zwischenstaatliche und weltweite Solidarität,… die wir, wie unsere Vorfahren als internationale Solidarität, laut und deutlich ausrufen sollen:
Es lebe die Internationale Solidarität!!!

Schaffhausen, 1. Mai 2013
Osman Osmani, Gewerkschaftssekretär für Migration in Gewerkschaft Unia —