Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:35
27.06.2019

Vollbild anzeigenAm vergangenen Samstag fand in Bern, im Gewerkschaftshaus von UNIA eine Veranstaltung zur sozialen Lage in Kosova statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem bekannten Historiker Hans Schäppi. Dann gab es zwei Referate. Ein Referat zur sozialen Lage in Kosova, hielt der Herausgeber von Kosova- Aktuell, Max Brym. Dann sprach Osman Osmani zu den Gewerkschaften in Kosova. Osman Osmani ist Mitglied des sozialpolitischen Komitees

 

 der „ Bewegung für Selbstbestimmung“ ( (Lëvizja Vetëvendosje!)) und Sekretär von „UNIA Schweiz“ für die Arbeitsemigranten. Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion an der Barbara Burri Sharani ehemalige Leiterin des KoBü der SAH/Solidar Suisse in Kosova und ehem. Leiterin des Schweizerischen Kooperationsbüro in Kosova, sowie Ruzhdi Ibrahimi Sozialversicherungsspezialist, ALK Unia Basel teilnahmen.

 

Max Brym „Kosova darf kein neoliberales Experiment bleiben“.



Max Brym wandte sich in seinem Referat scharf gegen den Privatisierungsprozess in Kosova. Nach Max Brym kostete der Privatisierungsprozess bis dato 76.000 Arbeitsplätze. Im Schnitt gehen nach Brym bei jeder „ Privatisierung 50% der Arbeitsplätze verloren“. In den privatisierten Betrieben haben die übriggebliebenen Arbeiter keinerlei Rechte. Anhand von konkreten Beispielen attackierte Brym den Privatisierungsprozess. Laut Brym „ wird der Reichtum des Landes verschenkt“. Brym sagte: „ Die Post und Telekommunikation Kosovas ( PTK) wurde kürzlich zu 75% privatisiert. Die PTK ist das rentabelste öffentliche Unternehmen Kosovas. Allein zwischen 2007 und 2011 erwirtschaftete die PTK einen Gewinn von fast 400 Millionen Euro. Jetzt wurde die PTK an die dubiose Firma AXOS GmbH in Hamburg für 277 Millionen verscheuert. Die Stromverteilung KEDS wurde für knapp 27 Millionen verhökert. Die Folge sind enorm steigende Strompreise in Kosova“. Brym kritisierte, dass in Kosova privatkapitalistische Monopole entstehen, welche Rohstoffe ausbeuten, keinerlei Arbeiterrechte akzeptieren und die Profite steuerfrei an die Muttergesellschaften überweisen. Brym hingegen forderte öffentliches Eigentum im Interesse der einfachen Menschen in Kosova. Brym erklärte: „Trepca darf nicht privatisiert werden und die stattgefundenen Privatisierungen müssen rückgängig gemacht werden. Kosova ist sehr reich und die Bevölkerung wird immer ärmer dieser Zustand darf nicht länger hingenommen werden.“ Brym stellte Kosova in den Kontext neoliberaler Politik in Europa. Brym sagte wörtlich: „ Kosova war und ist ein internationales neoliberales Experiment in Europa. Kosova ist das ärmste Land in Europa aber immer mehr Staaten in Europa nähern sich im Rahmen der kapitalistischen Krise dem Standard von Kosova an. Nötig ist der internationalistische Widerstand der Arbeiterbewegung gegen die KOSOVARISIERUNG weiter Teile Europas. Überall muss es sozialen Widerstand geben.“



Osman Osmani „Für bessere Gewerkschaften in Kosova“

Sehr gründlich analysierte Osman Osmani die schwierige Lage der Gewerkschaften in Kosova. Osmani wies daraufhin, dass die Gewerkschaften in Kosova überaltert seien und dass es in vielen privatisierten Betrieben keinerlei Gewerkschaften mehr gäbe. Osmani verwies auf bestimmte Hilfs- und Unterstützungsangebote von UNIA, für die Gewerkschaften in Kosova. Allerdings kritisierte Herr Osmani auch bestimmte Seiten der Gewerkschaftspolitik in Kosova. Für Osmani ist es völlig unverständlich, dass die Gewerkschaft in Prishtina auf eine 1. Mai Veranstaltung verzichtete. Auch die Teilnahme am Privatisierungsprozess durch die Gewerkschaftsführung nannte Osmani „einen groben Fehler“. Grundsätzlich sprach sich Osmani für stärkere und kämpferische Gewerkschaften in Kosova aus. Er appellierte an die Anwesenden die Aktivitäten „ für eine bessere Gewerkschaft in Kosova zu unterstützen“.



Problem „ Sozialversicherungsabkommen“

In der Podiumsdiskussion sprachen sich Ruzhdi Ibrahimi und Frau Barbara Burri Sharani für die Wiederherstellung des Sozialversicherungsabkommens zwischen der Schweiz und Kosova aus. Vor einiger Zeit stellte die Schweiz die Zahlung speziell von Invalidenrenten nach Kosova ein. Sowohl Herr Ibrahimi als auch Frau Sharani kritisierten dies. Allerdings kritisierten die Beiden nicht nur die Schweizer Rechtspopulisten, sondern auch die Passivität der kosovarischen Regierung in dieser Frage. Die anschließende Diskussion bezog sich einerseits auf die konkreten sozialen Probleme in Kosova sowie auf das Sozialversicherungsabkommen. An der Diskussion nahmen albanische Arbeiter, portugiesische und italienische Arbeiter neben Schweizer Gewerkschaftern teil. Die Referate und die Diskussion wurden simultan ins französische übersetzt. Erstaunlich und positiv war festzustellen wie viele albanische Arbeitsemigranten in der Schweiz sich gewerkschaftlich organisieren. Es scheint kein Zufall zu sein, dass Osman Osmani hauptamtlich für die Gewerkschaft arbeitet und im Grossen Stadtrat in Schaffhausen ist.