Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
10:39
18.06.2019

Am vergangenen Samstag fand in München eine Veranstaltung von verschiedenen Organisationen gegen die Ausbeutung, Privatisierung und soziale Not in Kosova und am Balkan  statt. Im ersten Teil der Veranstaltung sprach Osman Osmani, Gewerkschaftssekretär für Immigration von UNIA aus der Schweiz , zur Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen in Kosova. Neben vielen deutschen Zuhörern, nahmen auch Albaner und Albanerinnen an der

Versammlung im „Eine Welt Haus“ teil. Moderiert wurde der erste Veranstaltungsblock von Max Brym, freier Journalist und freier Autor, aus München. Osman Osmani prangerte den Privatisierungsprozess in Kosova an. Nach Angaben des Redners verloren durch diesen Privatisierungsprozess 76.000 Arbeiter und Arbeiterinnen in Kosova ihre Arbeitsplätze. Entschädigungen wurden in aller Regel an die entlassenen Arbeiter nicht bezahlt. Als Beispiel nannte Herr Osmani eine Stahlröhrenfabrik in Ferizaj. Die einst sehr rentabel Fabrik wurde zum Billigpreis verschleudert und von knapp 1000 Arbeitern blieben nur noch 70 Arbeiter übrig. In den letzten Tagen protestierten entlassene Arbeiter mit einem Hungerstreik vor dem Parlamentsgebäude in Prishtina. Am Freitag versprach der Ministerpräsident Kosovas, den Arbeitern Entschädigungszahlungen zu leisten. Allerdings nannte er keinen Termin für die Zahlung. Anschließend sprach Osman Osmani über die Gewerkschaftsstrukturen in Kosova. Dabei meinte er: „Die Gewerkschaften im Kosova sind sehr schwach und oftmals in den privatisierten Betrieben gar nicht mehr vertreten.“ Scharf wurde die Beteiligung von einigen 

Funktionären der Gewerkschaft am Privatisierungsprozess verurteilt. Osman Osmani hält kämpferische Gewerkschaften in Kosova für nötig. Dabei sprach er auch die Notwendigkeit von internationaler Solidarität an. Das Referat von Osman Osmani der gleichfalls Mitglied des „Sozialpolitischen Komitees“ der „Bewegung für Selbstbestimmung“ ( VV) ist wurde mit viel Beifall aufgenommen. Im zweiten Teil der Veranstaltung gab es eine rege Diskussion zwischen Max Brym, Osman Osmani und einem Vertreter des AK Gewerkschaften an der Münchner Universität. Leider konnte ein Gewerkschafter aus Tuzla in Bosnien wegen eines Defekts seines Automobils an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Dennoch schickte er ein Grußwort:“ Wir im Bosnien und die einfachen Menschen in Kosovo haben oftmals dieselben Probleme. Auch in Bosnien kostete der Privatisierungsprozess, die Masse der Arbeitsplätze. Die Massen verarmen zunehmend aber in Bosnien beginnt man gegen diese Zustände zu rebellieren.“ Genau beschrieb der Metallarbeiter aus Bosnien, die Rebellion welche die Arbeiter in vielen Städten Bosniens durchführten. In dem Grußwort wurden auch konkrete Forderungen der Arbeiter aus Bosnien benannt. Die Arbeiter in Bosnien fordern einen absoluten Stopp des Privatisierungsprozess. Sie fordern die Vergesellschaftung bereits privatisierte Betriebe. In den staatlichen Betrieben soll das Management von Arbeitern gewählt und kontrolliert werden. Das schriftliche Grußwort wurde ebenfalls mit viel Beifall aufgenommen. Max Brym erklärte in der Debatte: „Es geht in allen Ländern am Balkan, um die Reaktivierung der Arbeiterbewegung. In Kosova müssen die vereinzelten Streiks zusammengefasst und in einen landesweiten Generalstreik, gegen Privatisierung und Ausbeutung münden. Nur durch den Kampf der Arbeiter kann soziale Gleichheit und das nationale Selbstbestimmungsrecht verwirklicht werden. Um zu einer sozialen Perspektive für den gesamten Balkan zukommen ist es nötig, dass die serbische Arbeiterklasse, das Selbstbestimmungsrecht Kosovas akzeptiert.“ Der Kollege Suhpi vom Arbeitskreis Gewerkschaften sagte unter anderem:“ Wir brauchen die Vereinigung der Arbeiter und Arbeiterinnen auf dem gesamten Balkan gegen den neoliberalen Kapitalismus. Selbstverständlich muss im gemeinsamen Kampf das Selbstbestimmungsrecht, als demokratisches Recht von allen Arbeitern und Arbeiterinnen akzeptiert werden.“ Suhpi warb für eine wahrhaft marxistisches Programm bezüglich des Balkans. Dieses Programm differenzierte er klar, von dem stalinistischen Irrweg in der Vergangenheit. Im Rahmen der Podiumsdiskussion, die von Rainer Sanders von der „Akademie Gegenwind“ geleitet wurde stellte das Publikum viele konkrete Fragen, speziell zu Kosova. Anhang vieler Beispiele belegten Max Brym und Osman Osmani, den brutalen Privatisierungsprozess in Kosova. Max Brym stellte die Prognose, „dass Kosova im Rahmen der kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung der Status einer Halbkolonie mit Rohstoffabbau und dem Abtransport dieser Stoffe zugestanden wird“. Genannt wurden viele türkische Investoren in Kosova die sich rentable Objekte unter den Nagel gerissen haben. Max Brym verwies auf die Tatsache, dass viele türkischen Investitionen aus dem „familiären Umfeld des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan“ erfolgen. Nach Brym hält sich das deutsche Kapital noch zurück und wartet auf die weitere Entwertung der Rohstoffreichtümer wie Chrom, Nickel, Kupfer und Blei, im Kombinat Trepca. Gegen Ende der Debatte verurteilte Osman Osmani , die speziellen diskrimenrienden Maßnahmen der Regierung der Schweiz. Die Schweiz hat das „Sozialversicherungsabkommen mit Kosova“ gekündigt. Dies heißt nach Osman Osmani , dass „Pensionisten aus Kosova ihre erworbenen Rentenansprüche aus der Schweiz nicht mehr beziehen dürfen“. Scharf attackierte Osman Osmani diesen diskreminienrenden  Akt der Schweizer Regierung. Gleichzeitig kritisierte er in diesem Zusammenhang die Passivität der Regierung im Kosova. Gegen 20:00 Uhr endet wird die Veranstaltung und die Teilnehmer waren der Meinung, dass diese und ähnliche Debatten fortgesetzt werden müssen. Max Brym sprach dann noch von der Idee vom 1 bis 8. Juni eine Delegation mit Gewerkschaftern und Gewerkschafterinnen nach Kosova zu schicken. Diese Delegation wird eine andere Delegation aus der Stadt Leipzig, nach Kosova begleiten.