Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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22.11.2017
Kosova hat die wichtigsten Braunkohlevorkommen am südlichen Balkan. Die Stromversorgung in Kosova ist unter der Leitung der UNMIK katastrophal. Dennoch gieren kapitalistische Unternehmen nach dem Rohstoffreichtum des Landes. Mittels der Privatisierung der Stromversorgung, soll Kosova der Stromlieferant in der Region werden. Keinesfalls wird jedoch diese Energiebasis zur Entwicklung Kosovas verwandt werden, kapitalistische Unternehmen trachten danach mittels der Aneignung von Energie in privater Hand Maximalprofite zu erzielen.

In der geteilten Stadt Mitrovica liegt die Arbeitslosenzahl bei 80%. Ramadan Kelmendi Leiter des „ Regionalbüros für Arbeit“ in der Region Mitrovica gab diese erschreckende Zahl am 16. August gegenüber der Presse bekannt Nach den Angaben von Kelmendi, suchen gegenwärtig 62.932 Menschen in Mitrovica eine Arbeit. Von den Arbeitsuchenden sind 93,8% Albaner, 4,9% Serben und 1,2% gehören anderen Nationalitäten an.


Der Konflikt in der Stadt Mitrovica in Kosova wird oft nur als ethnischer Streit zwischen SerbInnen und AlbanerInnen wahrgenommen. Doch dahinter steckt ein Streit um den wirtschaftlichen Reichtum des nördlichen Kosova, um den Industrie- und Bergbaukomplex von Trepca nahe Mitrovica. Bei Trepca handelt es sich um einen Industriekomplex, der bis 1989 23000 Menschen beschäftigte. Am 8.Juli 1998 schrieb die New York Times über Trepca: "Der weitauseinandergezogene Trepca-Bergbaukomplex ist das wertvollste Stück Grund und Boden auf dem Balkan und hat einen Wert von mindestens 5 Milliarden US-Dollar." Der Direktor der Mine, Bjielic, wird mit den Worten zitiert: "Das ist Serbiens Kuwait, das Herz von Kosovo."

Am 10. Februar gab der kosovarische Arbeits und Sozialminister Ahmet Isufi dem albanischsprachigen Programm der „Deutschen Welle“ ein Interview. Die Zeitung Koha Ditore veröffentlichte am 11. Februar das Gespräch. Für die deutsche Linke ist es wichtig, die realen Probleme, Fakten und Positionen in Kosova zu kennen, um sich ein objektives Bild zu machen. Der Autor dieser Zeilen teilt nicht die politischen Positionen des „Ministers“ dennoch hält er eine auszugsweise Wiedergabe des Interviews für sinnvoll. Die Fakten treffen zu, allerdings gestatte ich mir den Herrn „Minister“ durch einige Anmerkungen zu ergänzen.

Gerald Knaus ist Leiter der bürgerlichen „European Stabillity Initative“ die in Kosova einige Themen untersuchte. Am 18.8.04 gab Knaus der DW ein Interview das interessante Aspekte enthält. Die „Initiative“ erstellte einen dreißigseitigen Bericht über die ökonomische Situation und die Lage der Menschen in der geteilten Stadt Mitrovica.

Ende Dezember 2004 legte das in Prishtina beheimatete Wirtschaftsinstitut "Riinvest" eine Studie zur sozialen Lage in Kosova vor. Die Ergebnisse der Untersuchung sind erschreckend. Das Institut diagnostizierte, dass in Kosova "über 12% der Einwohner in extremer Armut leben". Weitere 50% der Bevölkerung leben "in trostloser Armut und befänden sich auf dem Weg in die absolute Armut".

Der gewerkschaftliche Dachverband in Kosova heißt BSPK ( Vereinigung Unabhängiger Gewerkschaften Kosovas). Dem Dachverband gehören 14 Einzelgewerkschaften an. Am 28. April brachten 6 gewählte Sekretäre von Einzelgewerkschaften ihrer Unzufriedenheit mit der Arbeit der BSPK zum Ausdruck. Dazu veranstalteten sie eine Pressekonferenz in Prishtina. Vertreten waren Sherif Fejzullahu, für die Energiegewerkschaft, Hasan Abazi, für die Metallarbeiter, Isuf Asemi, für die Beschäftigten in Kleinbetrieben, Osmon Hasani, für die Angestellten im Hotel und Tourismusbereich, Avni Ajdini für die Bauarbeiter und Sejdi Begu, für die Minenarbeitergewerkschaft. Offen droht in Kosova eine Spaltung der Gewerkschaftsbewegung. Die Sprecher der genannten Einzelgewerkschaften kritisierten den bürokratischen Stil der Gewerkschaftsführung und deren Verrat an den konkreten Interessen der Arbeiter.