Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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07.12.2019

Die Bundesrepublik Deutschland schiebt jedes Jahr ca. 500 Roma in die Republik Kosova ab. Neben Armut, Arbeitslosigkeit und psychischen Erkrankungen drohen ihnen in der Fremde auch Anfeindungen und Diskriminierungen auf der Straße, aber auch auf Behörden. Viele leben auf der Straße, andere in Häusern ohne Wasser- und Stromversorgung. So auch Kushtrim*, der 2010 mit

18 Jahren vom Saarland aus nach Kosova abgeschoben wurde und seine schwerkranke Mutter zurückließ.

Der Leipziger Verein Verantwortung für Flüchtlinge e.V. möchte nun dem jungen Mann helfen, ein Visum zum Familiennachzug im Härtefall zu bekommen, damit er möglichst schon Weihnachten mit seiner Mutter wieder vereint ist. Schließlich muss sie aufgrund ihrer Querschnittslähmung und starken Depressionen auch von ihrem Sohn gepflegt werden.

Der oben genannte Verein wird Kushtrim bei den bürokratischen und finanziellen Hürden unterstützen. Leider ist eine Terminvereinbarung bei der Deutschen Botschaft in Pristina zur Visumsbeschaffung nur online möglich. Bereits im September waren angeblich alle Termine im Jahr 2014 ausgebucht. Die nächste freie Zeit hätte man erst am 6. Januar 2015. Aus diesem Grund hat der Vorsitzende des Vereins Verantwortung für Flüchtlinge e.V., Ricky Burzlaff, schon seit Tagen versucht, die Konsularabteilung der Deutschen Botschaft in Pristina telefonisch zu ihren Sprechzeiten (offiziell Mo – Do von 15:00 bis 16:45 Uhr) zu erreichen. Nachdem stets um 15 Uhr es auch klingelte, aber niemand an den Hörer gegangen ist, war ab einer Minute später die ganze Zeit bis 16:45 Uhr das Telefon besetzt. Jeden Tag. Unter der Nummer +38138254577 kann man laut Website der Deutschen Botschaft in Kosova Fragen zur Visumserteilung stellen. Ricky Burzlaff hat es dann mit geänderten Nummern versucht (letzte Ziffer 6 bzw. 8 statt 7), wo aber stets die gleiche Dame der Botschaft an das Telefon ging und sagte, dass es nicht möglich wäre, Aussagen zum Visum zu treffen oder gar ihn mit jemanden in dieser Angelegenheit kompetenten Person zu verbinden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit versucht das Konsulat bereits seit Wochen Visumsanträge jeglicher Art abzublocken und vergibt dahingehend auch keine Termine mehr. Die Vermutung liegt nahe, dass das Telefon in der Sprechzeit nur beiseite gelegt wird, um eventuelle Visumsanträge zu umgehen. Wenn man keine Anträge stellen kann, ist auch eine Bearbeitung nicht möglich und man muss keine Menschen mehr ein Visum bzw. Absagen erteilen. Nicht umsonst funktionieren alle möglichen Nummern der Botschaft, aber nur die der Konsularabteilung nicht.

Trotz dieser Umstände werden wir weiter um das Visum für Kushtrim kämpfen, damit er zu Weihnachten mit seiner Mutter sein kann.

Leider gibt es 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution immer noch von deutschen Behörden geschaffene Mauern, die die Freiheit und sozialen Bedürfnisse von vielen Menschen einschränken.

* Name aus diversen Gründen geändert

Bild Ricky Burzlaff  und Richard Gauck