Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:50
15.09.2019

Vollbild anzeigenSehr geehrte Redaktion von Kosova- Aktuell, gerne lese ich ihre Artikel zu Kosovo und Albanien. Ihre Artikel sind fundiert und mit Fakten unterlegt. Besonders Ihre Artikel zur Armut und Not in Kosova gefallen mir. Jetzt aber eine Kritik oder Anmerkung von mir: Warum betonen Sie so oft, dass Sie links oder gar sozialistisch sind. Letzteres kommt bei meinen Landsleuten sehr schlecht an. Viele denken an Tito, Enver Hoxha oder gar an Milosevic. Vielleicht könnten Sie das

Bild Karl Marx

bleiben lassen, die Wirkung ihrer Artikel wäre ohne das Attribut links stärker.


Viele Grüße aus Kosova

I,D. Kosova

Antwort – Wir sind bewusst links

Sehr geehrte Frau D. wir lehnen es ab unsere Haltung zu maskieren wir sind und bleiben ein
linkes progressives Organ. In Kosova gibt es eine absurde Parteienlandschaft. Die meisten erklären, dass sie weder links noch rechts, sondern um den Verstorbenen Mahmud Bakalli zu zitieren „ vorne sind“. In Wahrheit denken diese Leute nur an ihre Brieftasche. Gleichzeitig verscheuern sie den Reichtum des Landes im Privatisierungsprozess. Diese Typen wollen sich nicht wirklich programmatisch festlegen, denn sonst käme heraus, dass es der PDK, der LDK, der AAK und speziell Herrn Pacolli nur um den Neoliberalismus und den fortgesetzten sozialen und nationalen Hochverrat geht. Jetzt aber zu einem anderen Aspekt ihres Briefes. In der Tat, viele Albaner und Albanerinnen verbinden mit der Begrifflichkeit links oder gar kommunistisch negative Erfahrungen. Deshalb muss klar festgehalten werden: Weder in Kosova noch in Albanien lebten die Menschen einst im Sozialismus. Karl Marx schrieb: „Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein“. In Jugoslawien wie in Albanien bestimmten in der Vergangenheit nicht die Arbeiter und Bauern in freier Debatte, wohin der Hase läuft, nein eine abgehobene Bürokratie bestimmte wo es lang geht. Dies hatte nichts mit dem emanzipatorischen Projekt von Marx bis Trotzki zu tun. Deshalb ist aber der Sozialismus nicht gescheitert sondern nur sein Missbrauch durch Opportunisten und Bürokraten wie Mahmud Bakalli. Die gegebene kapitalistische Weltrealität zwingt uns

geradezu es mit dem Sozialismus neu zu versuchen. Diesmal unter der Maxime, dass Freiheit ohne Gleichheit nichts WERT ist, aber auch die Gleichheit ohne Freiheit nichts WERT ist. In Kosova und Albanien gab es stalinistische Systeme mit bestimmten sozialen Grundsicherungsmechanismen. Wir brauchen ein System indem Freiheit und soziale Gerechtigkeit keine Gegensätze sind. Besonders Kosova braucht eine reaktivierte Arbeiterbewegung und soziale Kämpfe gegen die Privatisierung und die korrupte politische Elite. Kosova benötigt nicht die berühmte Friedhofsruhe auch Stabilität genannt, sondern soziale Unruhe, Kosova benötigt eine Rebellion bzw. eine Revolution. Wie man dazu kommt darüber muss diskutiert werden, dieser Diskurs ist objektiv ein linker Diskurs.