Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
08:14
06.07.2020


Vollbild anzeigenDie Redaktion von Kosova-Aktuell kritisiert ständig den Privatisierungsprozess in Kosovo. Ihre Argumente sind meist sehr polemisch. Sie propagieren offensichtlich den Kommunismus unter dem wir sehr gelitten haben. Immer geht ihre Kritik gegen den Kapitalismus, oder besser gesagt gegen die freie Marktwirtschaft. Dabei übersehen Sie die Tatsache, dass es zum Markt keine Alternative gibt. Wenn die Regierung in Kosova, Trepca, die KEK, den Flughafen, oder die PTK privatisiert, wird das den Menschen in

Kosova zugute kommen. Die Alternative „ staatliche Eigentum“ ist keine Alternative wie die Vergangenheit beweist. Bitte antworten Sie kurz und exakt. Besonders ihr Chefideologe Herr Brym sollte sich angesprochen fühlen.


Viele Grüße Tung

Bajram K. Hamburg

Die Privatisierung bedeutet Elend und Massenarbeitslosigkeit

von Max Brym


Sehr geehrter Herr K. Ich befinde mich im Urlaub, dennoch werde ich auf ihren unausgegorenen Rundumschlag eingehen. Sie schreiben dass es zum Privatisierungsprozess keine Alternative gibt. Fehlt ihnen wirklich jeglicher Realitätsbezug mit dieser Behauptung. Bis dato hat der Privatisierungsprozess in Kosova nach Gewerkschaftsangaben 70.000 Menschen, um Lohn und Brot gebracht. Neue reguläre Arbeitsplätze entstanden nicht. Nur um die begüterten „ Internationalen“ herum hat sich eine gewisse Ökonomie entwickelt. Der Dolmetscher, der Mitarbeiter einer internationalen NGO und die offen oder verdeckt auftretende Prostitution sind wirklich neue Arbeitsplätze.. Es entstanden teure Privatuniversitäten, und ein florierender privater Gesundheitsmarkt. Der Grundsatz wenn du arm bist musst du früher sterben trifft besonders hart in Kosova zu. All dies sind „Errungenschaften des „freien Marktes. Kosova ist sozial so tief gespalten wie noch nie. Der Herr im Armanianzug neben dem mittellosen Bettler, bestimmt das Bild der Städte. Völlig frei nimmt die österreichische Raiffeisenbank und die deutsche „Pro Credit Bank“ von den Bauern einen Effektivzins von 14%. Die Bauernschaft in Kosova sitzt in dieser Zinsfalle. Der letzte Geshäftsbericht der Raiffeisenbank spricht davon, dass besonders „ wegen der enormen Balkanaktivität die internationale Bankenkrise, die Raiffeisenbank kaum traf“. Diesen Erfolg bezahlen die einfachen Menschen auf dem Balkan. Eine Staatsbank welche die Bauern mit günstigen Krediten versorgt gibt es in Kosova nicht. Die vorhandene „Staatsbank“ hat ein beschränktes Budget und darf den internationalen Monopolbanken in Kosova nicht ins Gehege kommen. Alles soll privat dominiert sein. Das Ziel jeglicher privaten Investition in Kosova ist die Erzielung von Maximalprofit. Das Kombinat Trepca wurde jahrelang faktisch stillgelegt. Seit einigen Jahren dürfen wenige Arbeiter -auf Probe- in Trepca arbeiten. Den potentiellen Investoren reicht bis dato die Produktivität nicht aus. Zudem äußerte Graf Lambsdorff ( früher einmal zuständig für die Privatisierung in Kosova ) vor einiger Zeit in München- „Die Löhne in Trepca sind noch zu hoch“. Ergo es geht um einige wenige Rohstoffe, die günstig ohne große steuerliche Belastung aus Kosova abtransportiert werden sollen. Von den verarbeitenden Kapazitäten des ehemaligen Kombinats Trepca spricht kein Mensch. Warum auch in den kapitalistischen Metropolen gibt es genug verarbeitende Kapazitäten für Chrom, Nickel, Kupfer und Blei, welches massiv in Trepca vorhanden ist. Kosova soll nicht nur politisch sondern auch wirtschaftlich dauerhaft den Status einer Kolonie haben. Genau aus diesem Grund wird von der US Firma Bechtel, einige riesige Autobahn durch Kosova gebaut. Kosova ist als Transitland für Produkte aus anderen Staaten vorgesehen. Außerdem ist die Autobahn nötig um die Rohstoffe Kosovas schnell auf dem internationalen Markt für den privaten Profit zu verscherbeln. Dagegen haben Sie offensichtlich nichts wenn sie von der Alternativlosigkeit der Privatisierung schreiben. Die KEK soll zum Billigpreis verhökert werden, denn dort befinden sich die größten Kohlevorkommen auf dem Balkan. Nach den Plänen der Investoren soll die KEK der Stromlieferant für den Balkan werden. Dies wird nicht zu mehr Arbeitsplätzen und billigeren Strompreisen führen. Bitte fragen Sie in Russland, in Polen oder in Rumänien nach -was die Privatisierung- nicht nur in diesem Bereich gebracht hat. Ihnen gefällt auch die Privatisierung der PTK. Dieses Unternehmen lieferte m Jahr 2009 genau 290 Millionen Euro an den Staat ab. Die PTK ist das rentabelste Unternehmen Kosovas in Staatshand mit 400 Millionen Euro an Rücklagen. Die PTK zu privatisieren heißt:Der Gesellschaft eine wichtige Einnahmequelle für notwendige Sozialprogramme zu entziehen. Ihre Argumentation läuft darauf hinaus, Kosova dem uneingeschränkten Zugriff internationaler Konzerne zu unterstellen. Das ist verbunden mit steigender Massenarbeitslosigkeit, Elend, niedrigen Steuern, sowie dem Verschenken der großen Reichtümer Kosovas. Nebenbei bemerkt gibt es auch keine zarte Privatisierung. Jede Privatisierung ist negativ. Damit meine ich nicht die kleine Eisdiele oder das Caffehaus sondern überall wo Arbeiter dem Profitstreben des brutalen Kapitalismus unterstellt sind. Kosova braucht öffentliches Eigentum um die Massenarmut und die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dabei muss sich die Gesellschaft auf einen von unten bestimmten gemeinsamen Plan einigen damit die Gesellschaft entwickelt werden kann.

Kapitalismus

Sie erklären den Kapitalismus -in Ihrer Diktion „ freie Marktwirtschaft“- für das Ende der Geschichte. Diese Annahme ist in jeder Beziehung haltlos. Der Kapitalismus hat nicht über den Kommunismus gesiegt er ist nur vorläufig übrig geblieben. Dieses „ Überleben“ führt in der ganzen Welt zu Krisen, sozialer Verelendung ökologischen Katastrophen und zu einer Zunahme von Kriegen. Wenn das das Ende der Geschichte sein soll, dann gute Nacht. Übrigens haben Sie nicht unter dem „ Kommunismus“ gelitten, sondern unter einer stalinistischen Diktatur, welche den serbischen Nationalismus nur mühsam bändigen konnte.