Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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06.07.2020

Vollbild anzeigenLeserbrief- Warum ist Kosova-Aktuell so kritisch ?Sehr geehrter Herr Brym, ich finde Kosova Aktuell ganz in Ordnung. Dennoch möchte ich einiges an Kosova-Aktuell und speziell an den Artikeln von Herrn Brym kritisieren. Warum schreiben Sie eigentlich nur immer negative Dinge über Kosovo? Warum werden nicht auch positive Aspekte von Ihnen erwähnt. Kosova benötigt doch nicht permanenten Aufruhr sondern auch Ruhe und Stabilität. Ihre negative Berichterstattung könnte auch dem serbischen

Nationalismus unter die Arme greifen.


Mit freundlichen Grüßen

Ilir K. München


Antwort von Max Brym


Kosova braucht Veränderung und keine Stabilität


Hallo und Danke für Ihre Zuschrift. Ich will sofort zum Kern ihrer Kritik an Kosova Aktuell kommen. Im Editorial von Kosova-Aktuell steht- „Der Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung bis hin zur staatlichen Selbständigkeit darf den Kosovaren nicht länger vorenthalten werden. Wir stimmen mit dem Ziel, ein demokratisches, unabhängiges und glückliches Kosova zu schaffen, überein. Dabei geht es nicht darum, nur für eine „nationale Partei“ einzutreten. Im Gegenteil, nur durch eine demokratische Lösung der nationalen Frage kann das Verhältnis zwischen den verschiedenen nationalen Gruppen entspannt werden. Ein souveränes Kosova mit gleichen Rechten und Pflichten für alle Bürger, egal welcher Herkunft, bietet die Perspektive, allen fortschrittlichen Kräften auf dem Balkan zu nützen.

Die Zukunft des Balkans besteht in der Reorganisation demokratischer und sozialer Strukturen. Chauvinismus und Rassismus müssen überwunden werden. Ein wesentlicher Beitrag dazu ist die Akzeptanz der demokratischen Rechte der Menschen in Kosova. Es gibt aber keine Demokratie und damit keine Chance den nationalen Hader zu beenden, solange die Unabhängigkeit Kosovas, durch wen auch immer, nicht akzeptiert wird.“ Ich würde heute zum Editorial hinzufügen: Den Menschen muss das Recht auf vollständige Selbstbestimmung in sozialer und nationaler Hinsicht gewährt werden. Auch wenn sich die Mehrheit der Menschen in Kosova mit Albanien vereinigen will was INTERNATIONAL unter einem expliziten Verbot steht. In Kosova gibt es keine Selbstbestimmung. Es wurde nur der alte und brutale serbische Kolonialismus durch eine modifizierte Form des Kolonialismus ersetzt. Kosova hat den Status der überwachten Unabhängigkeit. Letzteres macht nur den Überwacher, aber keinesfalls den Überwachten souverän.



Stabilität und Kritik



Ihre Kritik an unserer Kritik an den Zuständen in Kosova erinnert mich an eine alte Regel stalinistischer Parteien. Stets wurde Kritik an den Zuständen unter dem Motto- Keine Fehlerdiskussion führen dies könnte dem Feind nützen-. beendet. Bezogen auf die heutige Situation in Kosova heißt dies, der Arme und Beleidigte soll schweigen weil seine Kritik angeblich einem ANDEREN nützen könnte.Die betrogen Menschen in Kosova können und dürfen aber nicht schweigen, denn das Schweigen würde auf die Hinnahme der gegebenen Zustände hinauslaufen. Kosova benötigt zudem keinerlei Stabilität sondern permanente Veränderung. Der Begriff Stabilität beinhaltet die Hinnahme der gegebenen Situation in Kosova. Genau aus diesem Grund benützen ihn die neuen Kolonialisten wie eine heilige Monstranz Das Wort .Stabilität kommt aus dem lateinischen und bedeutet stabilis = standhaft, stabil. In politischer Hinsicht wird unter Stabilität verstanden: Stabilität ist die Beständigkeit der öffentlich wirksamen Gesellschaft (staatlich oder regional). Eine instabile politische -Situation wird durch Unruhen oder eine bevorstehende Revolution, geschaffen. Ich bin der Meinung, dass Armut soziale Verelendung, Korruption und Fremdbestimmung in Kosova, nicht tolerierbar sind. Demzufolge ist das Eintreten für die Instabilität in Form von Widerstand gegen den Kolonialismus, Widerstand gegen die soziale Verelendung in Kosova geradezu eine Bürgerpflicht. Rebellion und damit Instabilität ist gerechtfertigt.

Viele Grüße Tung 

Max Brym