Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
09:48
17.10.2019
Der Artikel- Die Funktion des Neokolonialismus- von Mark Staskiewicz - www.wisso.info hat viel mit der wirtschaftlichen und politischen Realität in Kosovo zu tun- Folgende Feststellungen treffen exakt die Situation in Kosova-“ Kauf von billigen Rohstoffen oder billigen Produkten (die mit immensen Profiten in den imperialistischen Zentren
  •  weiterverkauft werden) aber auch Verkauf teurer Produkte an die Neokolonien, die diese nicht selbst herstellen können. Somit können enorme Extraprofite erzielt werden Schaffung eines nur einseitigen Exports in den Entwicklungsländern. Das Entwicklungsland wird dazu verdonnert energie-, rohstoff- und arbeitsproduktive und umweltbelastende, wenig produktive bzw. technisch zweitrangige Produktionsprozesse  oder ganze Produktionszweige zu übernehmen und damit die Reproduktion der imperialistischen Zentren zu erweitern. Die imperialistischen Zentren sorgen für eine Arbeitsteilung, und sie selbst nehmen die Stellung ein, hochproduktive Bereiche zu beherrschen und kontrollieren somit auch den wissenschaftlich-technologischen Fortschritt." Der Neokolonialismus in Kosova ist in einem bestimmtem Maß an Trepca und dem Braunkohlereichtum des Landes interessiert. Die Autobahn macht zuidem aus Kosova ein Transportgebiet. Wir stellen den Artikel -Die Funktion des Neokolonialismus- zur Debatte.

  • Dokumentation

Wer die Funktion des Neokolonialismus verschweigt oder übersieht, der kann weder alle wichtigen Erscheinungen des Imperialismus erfassen noch bekämpfen

Neokolonialismus: Während viele den Begriff des Kolonialismus noch kennen werden, ist der Begriff des Neokolonialismus deutlich unbekannter. Oft wird seine Existenz verschwiegen oder übersehen. Neokolonialismus ist ein Sammelbergriff für die Gesamtheit der verschiedenen Formen und Methoden der Ausbeutung und Unterdrückung der Entwicklungsländer (die also ökonomisch schwach entwickelt sind) und beherrschten Gebiete durch den Imperialismus. Er ist aber nicht nur ein System von Methoden, sondern eine Erscheinungsform des Imperialismus. Er unterscheidet sich vom Kolonialismus durch neue Züge.

Imperialismus:  „Würde eine möglichst kurze Definition des Imperialismus verlangt, so müsste man sagen, dass der Imperialismus das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist" [Lenin in „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]. „Allgemeines Kennzeichen des Imperialismus ist die uneingeschränkte ökonomische und daher ebenfalls politische Herrschaft der Monopole, weshalb er auch als Monopolkapitalismus bezeichnet wird" [Dipl.-Ing. Lion Wagner in „Krieg und Gesellschaftssystem]. Ökonomische Merkmale des Imperialismus, auf die wir hier nicht näher eingehen können (siehe dazu z.B.  „Krieg und Gesellschaftssystem"), sind:

  • Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals

  • Verschmelzung des Industrie- und Bankkapitals zum Finanzkapital und Entstehung einer Finanzoligarchie

  • Vorrangige Bedeutung des Kapitalexports gegenüber dem Warenexport

  • Herausbildung internationaler monopolitischer Kapitalverbände, welche die Welt ökonomisch unter sich aufteilen

[Der Platz für die allgemeinen Merkmale des Imperialismus würde an dieser Stelle auch nicht reichen]
Es ist das Wesen des staatsmonopolistischen Kapitalismus, dass sich die Macht des Monopolkapitals und die des Staates zu einem Herrschaftsmechanismus zusammenschließen. Ziel ist es, die maximalen Monopolprofite zu erzielen und das kapitalistische Gesellschaftssystem zu erhalten.

Bedeutung des Neokolonialismus für den Imperialismus: Die Hauptursache des Neokolonialismus ist die kapitalistische Produktionsweise, die objektiv zur größtmöglichen Mehrwertaneignung führt und damit zur Erzielung eines möglichst großen Profits zwingt. „Die neokoloniale Ausbeutung ist die entscheidende materielle Grundlage für die Erhaltung des kapitalistischen Gesellschaftssystems und daher objektiv notwendig (Lion Wagner in ebenda). Ziel des Neokolonialismus ist es über diese Form der Ausbeutung eine höchstmögliche Aneignung von fremdnationalem Mehrwert zu erzielen.

Methoden des Neokolonialismus: Im Gegensatz zum Kolonialismus sind die Methoden des Neokolonialismus etwas versteckter und nicht so offen konfrontativ. Es wird  nicht auf offensichtliche Weise ein Land militärisch besetzt, sondern es wird ökonomisch und politisch abhängig gemacht und ausgesaugt. Der Kolonialismus ist veraltet und entspricht nicht mehr den heutigen Produktivkraftentwicklungen. Ein Sklave ist für die jetzigen Produktionsprozesse z.B. viel zu unproduktiv.

Im Folgenden eine Auflistung von Methoden, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

  • Schaffung ökonomischer Abhängigkeit durch Wucherkredite an den Staat (Staatsverschuldung) oder an Konzerne (die dann quasi imperialistischen Banken gehören)

  • Ökonomischer Druck, wie z.B. auch Boykottdrohungen unter irgendwelchen formalen Vorwänden (z.B. Kampf gegen Terrorismus)

  • Ausbeutung über ein monopolistisches Preisdiktat

  • Ausbeutung mittels des Monopols im Bereich der Technologie und Wissenschaft

  • Ausbeutung im Zuge des Informationsmonopols

  • Ausbeutung durch Brain Drain

  • Kauf von billigen Rohstoffen oder billigen Produkten (die mit immensen Profiten in den imperialistischen Zentren weiterverkauft werden) aber auch Verkauf teurer Produkte an die Neokolonien, die diese nicht selbst herstellen können. Somit können enorme Extraprofite erzielt werden

  • Schaffung eines nur einseitigen Exports in den Entwicklungsländern. Das Entwicklungsland wird dazu verdonnert energie-, rohstoff- und arbeitsproduktive und umweltbelastende, wenig produktive bzw. technisch zweitrangige Produktionsprozesse  oder ganze Produktionszweige zu übernehmen und damit die Reproduktion der imperialistischen Zentren zu erweitern. Die imperialistischen Zentren sorgen für eine Arbeitsteilung, und sie selbst nehmen die Stellung ein, hochproduktive Bereiche zu beherrschen und kontrollieren somit auch den wissenschaftlich-technologischen Fortschritt

  • Durch die Einseitigkeit der Wirtschaft von Entwicklungsländern kontrollieren die imperialistischen Mächte die Reproduktion dieser Länder

  • Durch das Aussaugen der Länder, wird die Abhängigkeit gefestigt

  • Militärische Intervention (von Truppenstationierung bis zum imperialistischen Krieg)

  • Unterstützung einer Regierung bzw. einer Opposition, die auf die enge Kooperation mit der jeweiligen imperialistischen Macht setzt, sich z.T. direkt korrumpieren lässt. Damit entsteht auch ein  Einfluss auf Entscheidungen des politischen Überbau, des Staates etc.

  • Propaganda gegen antiimperialistische Bewegungen bis hin zur direkten Unterstützung der bewaffneten Bekämpfung solcher Kräfte


Beispiel Brain Drain: „Brain Drain ist die aus den Entwicklungsländern in die imperialistischen Zentren stattfindende Abwanderung der wissenschaftlich-technisch-medizinischen Elite, deren Umfang und Güte durch die gezielte Abwerbung seitens der imperialistischen Staaten erheblich gefördert und beeinflusst wird." (Lion Wagner, Krieg und Gesellschaftssystem). „Brain" bedeutet Gehirn und „Drain" Abfluss bzw. Abzug von Gehirnen. „Spitzenforschung entsteht, wenn man die besten Wissenschaftler mit einem bestimmten Fokus an einem bestimmten Ort zusammenbringt" so sagte es Patric Cramer, Leiter des Genzentrums der Uni München.

Der ehemalige US-Außenminister Denk Rusk schrieb: „Die Bedeutung der Zuwanderung für die Vereinigten Staaten hängt jetzt weniger von der Zahl als von der Qualität der Einwanderer ab... Wir sind auf dem internationalen Markt wegen Gehirnen" „Unser Land hat glücklicherweise die Möglichkeit, die Dienste hervorragend befähigter und geistig hochstehender ausländischer Einwanderer in Anspruch zu nehmen. Bei guter Regelung kann die Einwanderung eine unserer bedeutendsten natürlichen Ressourcen sein". Dieses Zitat hätte auch vom deutschen Außenminister stammen können, denn auch das imperialistische Deutschland versucht die Gehirne abzuwerben. In einer Studie des US-Außenministeriums heißt es: „Die Vereinigten Staaten und andere entwickelte westliche Länder gewinnen durch den Zufluss von hochqualifizierten Arbeitskräften aus Entwicklungsländern enorm".

Es geht darum die Besten, die Qualifiziertesten abzuwerben. Der Makro-Ökonom Harald Uhling meinte im Zuge der Diskussion um eine in seinen Augen nötige Volkswirtschaftslehre-Fakultät in Deutschland, die mit denen der USA Schritt halten können müsse: „Im Wesentlichen muss man das Vorbild der besten Fachbereiche kopieren oder überbieten sowie keine Kosten und Mühen scheuen, das beste Personal für diesen Fachbereich einzuwerben". Das Abwerben gelingt dadurch, dass „wesentlich höhere Einkommen, bessere Wohnverhältnisse, Verfügbarkeit von Konsummitteln, erheblich bessere Beschäftigungs- und Karrieremöglichkeiten sowie Arbeitsbedingungen in den kapitalistischen Hauptstaaten" geboten werden können [Lion Wagner, ebenda]. Der Brain Drain ist also als Teil der neokolonialen Ausbeutung zu betrachten!

Die Dimensionen dieser erfolgreichen Abwerbungsversuche sind gigantisch. 89% der Menschen aus Guyna mit Hochschulabschluss leben im Ausland, in Jamaika sind es 85% in Haiti 83%. „In den armen Ländern südlich der Sahara leben, wie in Sierra Leone oder Ghana, die Hälfte der Menschen mit Hochschulabschluss im Ausland. In allen Ländern südlich der Sahara sind durchschnittlich nur 4% der werktätigen Bevölkerung Akademiker, aber sie stellen 40% der Migranten [...]. In Asien beträgt der Anteil der ausgebildeten Menschen bei den Migranten durchschnittlich 50%, allerdings ist hier die Auswanderungsrate insgesamt kleiner.

So sind nur 6% der Akademiker ausgewandert. Ganz anders sieht es in den boomenden Ländern wie China und Indien, aber auch in Brasilien oder Indonesien aus. Hier wandern nur 3-5 Prozent der Akademiker in ein OECD-Land ab." Dies zeigt schon, dass große Teile der abgeworbenen Eliten aus den Entwicklungsländern kommen. „In Simbabwe etwa wurden im letzten Jahrzehnt des 20.Jh. 1.200 Ärzte ausgebildet, von denen im Jahr 2000 noch 360 im Lande waren. Die Hälfte aller in Äthiopien, Ghana und Sambia ausgebildeten Ärzte hat ihr Heimatland verlassen. Nach anderen Angaben hat Afrika in den letzten zwanzig Jahren ein Drittel seiner Hochschulabsolventen verloren, jedes Jahr verlassen etwa 23.000 Akademiker den Kontinent.

Diese Abwanderung von hochqualifizierten Fachkräften durch entsprechendes Personals aus Industrienationen zu ersetzen kostet mehr als vier Milliarden Euro." [Evangelischer Entwicklungsdienst]. Es versteht sich angesichts solcher Fakten wohl von selbst, dass Entwicklungsländer es auch aus diesem Grund noch schwerer haben sich zu entwickeln, ihre Produktivkräfte unabhängig von den imperialistischen Zentren auszuweiten. Sie werden stattdessen immer abhängiger! Abgeworbene Gehirne arbeiten aber nicht immer dann direkt in den imperialistischen Zentren, sie bleiben z.T. auch in den Entwicklungsländern und arbeiten von dort aus, der Wohnort ist nicht das entscheidende, sondern wer von der Arbeit profitiert.

Neokolonialismus und Arbeiterklasse in imperialistischen Ländern: Die Extraprofite, die durch die neokoloniale Ausbeutung erzielt werden, fließen zu ihrem Großteil in die Taschen der Kapitalisten, sie fließen z.T. aber auch in die Staatskassen zur Finanzierung des mit den Monopolen verschmolzenen Staates. Und sie fließen z.T. in die Bezahlung der Arbeiterklasse bzw. in soziale Dienstleistungen (also unproduktive Arbeit) etc. D.h. im Umkehrschuss, dass soziale Zugeständnisse der Kapitalisten für die Arbeiterklasse auch direkt aus der neokolonialen Ausbeutung bezahlt werden (natürlich aber auch aus der produktiven Arbeit der Arbeiter selbst). Diese soziale Bestechung der Arbeiterklasse wird kaum in Frage gestellt. Überhaupt wird das Thema Neokolonialismus gerne verschwiegen bzw. oft mangelt es auch an Kenntnissen darüber. Gewerkschaften bis hin zu Organisationen mit sozialistischem Anspruch fordern z.B. Lohnerhöhungen ohne überhaupt nur ein Wort darüber zu verlieren, dass es hier auch zu Teilen um Extraprofite aus den Neokolonien geht. Die Arbeiterklasse der imperialistischen Länder wird so mit der neokolonialen Ausbeutung verbunden und die Imperialisten versuchen uns so ins „Spiel" einzubinden.

Gesellschaftlicher Fortschritt kontra Neokolonialismus: Schweigen wir nicht über die neokoloniale Ausbeutung! Es ist wichtig diese Erscheinung des Imperialismus und seine Bedeutung für den Systemerhalt des Imperialismus zu kennen, zu durchleuchten und darüber aufzuklären, wenn wir eine gesellschaftliche Alternative zum Imperialismus erkämpfen wollen. Solange es Imperialismus gibt, wird es auch diese Erscheinung geben. Das von uns angestrebte System des gesellschaftlichen Fortschritts, ist ein System, das Schluss mit dieser neokolonialen Ausbeutung macht. Es wird sich nicht auf diese stützen, sondern dies komplett ablehnen und ohne eine solche Ausbeutung auskommen.

Damit die sozialistische Übergangsgesellschaft im Systemwettbewerb dennoch mit den dann noch bestehenden imperialistischen Zentren als Sieger hervorgehen kann (es ist zwar wünschenswert, dass weltweit parallel diese Übergangsgesellschaft erkämpft werden kann, aber nicht sehr wahrscheinlich), ist es notwendig eine Systemalternative zu erarbeiten. Dieser Aufgabe stellen wir uns. Die Versuche den Sozialismus aufzubauen, konnten nirgends auf der Welt eine sozialistische Systemqualität erzielen. Bei der DDR, der Sowjetunion etc. handelte es sich um sozialdespotistische Systeme (siehe hierzu die Beweisführung von Dipl.-Ing. Lion Wagner in „Sozialismus gab es nie!" „Der  Sozialdespotismus ist eine Gesellschaftsordnung mit sozialistischen Merkmalen, aber keiner sozialistischen Struktur, so dass ökonomische und politische Verhältnisse folgen, die im Allgemeinen eine nur relative Realisierung des allgemeinen ökonomischen Entwicklungsgesetzes, d.h. eine nur relative Lösung des Widerspruchsverhältnisses zwischen  Produktionsverhältnissen und Produktivkräften ermöglichen"

[„Im Besonderen können Erscheinungsformen des  Sozialdespotismus  vorliegen, in denen das allgemeine  ökonomische Entwicklungsgesetz  völlig missachtet wird und Widersprüche zwischen  Produktionsverhältnissen und Produktivkräften überhaupt nicht  gelöst werden (z.B. das "Rote Khmer"-Regime im ehemaligen  Kambodscha)"], so Dipl.-Ing. Lion Wagner in „Produktionsmittel-Eigentumsfrage und gesellschaftlicher Fortschritt". Der Sozialismus hingegen ist etwas anderes: „Der  Sozialismus ist eine Gesellschaftsordnung mit solchen ökonomischen  und politischen Verhältnissen, die eine absolute  Realisierung des allgemeinen  ökonomischen Entwicklungsgesetzes,  d.h. eine absolute Lösung des Widerspruchsverhältnisses  zwischen Produktionsverhältnissen und  Produktivkräften garantieren" („Absolute Realisierung bzw. Lösung heißt, dass die Produktionsverhältnisse  nicht aufhören als Entwicklungsformen für die  Produktivkräfte zu wirken. Relative Realisierung bzw. Lösung heißt,  dass die Produktionsverhältnisse bei einem gewissen Entwicklungsstand  der Produktivkräfte aufhören Entwicklungsformen  für diese zu sein") [Lion Wagner, ebenda].

Inzwischen gibt es schon erste wichtige Ergebnisse, wie die Beweisführung von Dipl.-Ing. Lion Wagner darüber, dass es noch nie sozialistische Systeme gab und die Lösung der Produktionsmittel-Eigentumsfrage. Weitere Ausarbeitungen sind in Bearbeitung. Studieren Sie diese wichtigen Schriften! Schreiben Sie uns Ihre Anregungen und Kritiken! Lassen Sie sich zu den Veranstaltungen einladen, welche die (sich in absehbarer Zeit gründende) Bewegung des gesellschaftlichen Fortschritts durchführen wird!



Mehr zum Thema Neokolonialismus:

Buch: Krieg und Gesellschaftssystem von Dipl.-Ing-Lion Wagner, 15 € + Porto
Broschüre: Der Neokolonialismus des deutschen Imperialismus von Mark Staskiewicz, 3,50 € + Porto
Brain Drain, Neokolonialismus und Braun Exchange von Mark Staskiewicz, 1,50 € + Porto


Entnommen aus http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=8459&Itemid=1