Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
03:25
17.10.2019
Sehr geehrte Redaktion von Kosova-Aktuell, sehr geehrter Herr Brym. Seit langem verfolge ich ihre Publikation- Kosova Aktuell. Viele Artikel sind sachlich und benennen die Probleme in Kosova. Ich stimme ihnen zu, dass Kosova bis dato keine reale Unabhängigkeit hat. Dennoch glaube ich, in Kosova kann nur im Bündnis mit den westlichen Staaten

etwas erreicht werden. Was mich massiv stört ist ihre linke Haltung oder besser gesagt ihre sozialistische Propaganda. Der Kommunismus ist historisch gescheitert und wird nicht wiederkehren. Kein Mensch in Kosova lässt sich durch linke Agitation beeinflussen. In dieser Frage vertreten sie einen historischen Anachronismus. Ohne das marktwirtschaftliche System funktioniert keinerlei Ökonomie. Die Probleme in Kosova können nur durch die Integration in die EU gelöst werden. Bitte ANTWORTEN Sie kurz, da ich die endlos langen Artikel der Linken in Deutschland kenne. Der lange Artikel hat oft die Funktion den Fragen auszuweichen. Bitte kurz und exakt.

E. A. Ein Albaner aus Wiesbaden

Antwort der Redaktion.

Sehr geehrter Herr A


Es gibt Antworten und Antworten. Oft ist ein längerer Artikel sinnvoll, um eine Frage wirklich umfassend zu klären. Da Sie aber auf einer kurzen Antwort bestehen werden wir diesen Wunsch berücksichtigen.

Sie schreiben- „Dennoch glaube ich, in Kosova kann nur im Bündnis mit den westlichen Staaten etwas erreicht werden.“ Ergo stellt sich die Frage was wurde den bisher damit erreicht. Seit 10 Jahren regieren internationale Mächte in Kosova, die Selbstbestimmung in der sozialen und nationalen Frage wurde den Menschen in Kosova nicht gewährt. Kosova war einst das ärmste Gebiet in Europa heute kann Kosova nur noch mit Ländern aus der dritten Welt, wie Angola oder Kenia verglichen werden.

Sie schreiben;“Die Probleme in Kosova können nur durch die Integration in die EU gelöst werden.“ Wirklich was hat den der EU- Beitritt Staaten wie Rumänien oder Bulgarien gebracht ? Der Lebensstandart nimmt ständig ab, die Massenarbeitslosigkeit nimmt zu. Die großen Konzerne benützen, die osteuropäischen EU Mitglieder als billige Produktionsstandorte, als Niedriglohngebiete ohne den lästigen Sozialklimbim wie er in Deutschland oder Frankreich noch partiell vorhanden ist. Der EU Vertrag von Lissabon enthält die Pflicht zur Aufrüstung und zum Sozialabbau. An keiner Stelle ist vom Ausbau sozialer Rechte die Rede. In ganz Europa verschlechtert sich in der kapitalistischen Krise der Lebensstandart. Besonders trifft dies die neuen EU- Mitgliedsländer. Es gibt in der EU keine gleichen Sozialstandards, nur gleiche Standards für den Waren und freien Kapitaltransfer.

Sie schreiben-“Ohne das marktwirtschaftliche System funktioniert keinerlei Ökonomie.“ Sie irren komplett. Gegenwärtig sterben auf dem Globus pro Tag 40.000 Kinder an leicht heilbaren Krankheiten oder an Unterernährung. Auf der anderen Seite gab es noch nie in der Menschheitsgeschichte eine so hohe Produktivität wie heute. In Europa gibt es Milch und Butterberge, in den USA wird Weizen verbrannt weil die Kapitalisten nicht am Gebrauchswert des Weizens, sondern an seinem Tauschwert interessiert sind. Wer für Milch und Weizen nicht bezahlen kann bekommt dies nicht. Der Weizen wird verbrannt und die Milch weg-geschüttet. Die kapitalistische Produktion oder der Markt ist nicht sozial. Alles was es an sozialen Rechten gibt musste in langen Klassenkämpfen durchgesetzt werden. Im Jahr 1889 wurde der 1. Mai proklamiert als internationaler Kampftag für den 8 Stundentag. Jetzt steht diese Errungenschaft in den Metropolen wieder zur Disposition. Ein Blick nach Bolivien oder Venezuela würde ihnen belegen, dass bestimmte soziale Errungenschaften nur gegen den kapitalistischen Weltmarkt erreicht werden können. Der Rohstoffreichtum in beiden Ländern wurde in einem bestimmten Maß der kapitalistischen kolonialen Profitproduktion entzogen.

Sie schreiben- „Der Kommunismus ist historisch gescheitert und wird nicht wiederkehren. Kein Mensch in Kosova lässt sich durch linke Agitation beeinflussen. In dieser Frage vertreten sie einen historischen Anachronismus.“ Starker Tobak den Sie da verbreiten. Wer sagt Ihnen eigentlich, dass der Kommunismus nicht wiederkehren wird. Bekanntlich klappt eine gute Ehe in jeder guten Hollywood Komödie erst beim zweiten Versuch mit dem selben Partner. Erste Versuche tragen in der Menschheitsgeschichte immer den Makel des Scheiterns in sich. Das Schneiderlein von Ulm wurde verlacht als er behauptete der Mensch würde fliegen können. Bei einem Flugversuch brach sich das Schneiderlein sämtliche Knochen. Die Pfaffen werteten dies als Beleg dafür, dass der Mensch niemals fliegen können wird. Heute haben wir das Phänomen, dass zufiel geflogen wird. Was macht Sie also so sicher. Zudem haben Sie das Problem, die Staaten des ehemaligen Ostblocks mit dem Kommunismus und dem Sozialismus zu identifizieren. Der bekannte deutsche Studentenführer Rudi Dutschke erklärte dazu 1968- „In der DDR existiert alles real nur nicht der Sozialismus“ Diese Erkenntnis können Sie auch auf Jugoslawien anwenden. Diese Staaten repräsentierten einen bürokratisch deformierten Arbeiterstaat. Ergo ein Gebilde welches weit vom Sozialismus entfernt war, indem die Arbeiterklasse politisch entmachtet war. Es regierte eine privilegierte Kaste im Nahmen des Sozialismus. Dennoch gab es soziale Errungenschaften welche durch die „Wende“ zum Kapitalismus hin beseitigt wurden. Wer die Realität des real existierenden Kapitalismus unter die Lupe nimmt muss einen neuen sozialistischen Anlauf wagen. Wer dies nicht tut akzeptiert Kriege, soziale Not und eine gigantische Umweltkatastrophe.

Sie schreiben- „Kein Mensch in Kosova lässt sich durch linke Agitation beeinflussen.“ Damit liegen Sie wieder gründlich daneben. Die Propaganda für den freien Markt und das kapitalistische System mit der dazu gehörenden Korruption, gerät zunehmend in die Bredouille. Das Bestreben reich auf Kosten anderer zu werden wird in Kosova abgelehnt. Nicht umsonst ist die politische Kaste Kosovas mit ihren Häusern, Luxuswägen samt Bodyguards enorm unbeliebt. Es ist eine linke Forderung für alle Bürger Kosovas eine Krankenversicherung zu verlangen. Es ist objektiv links für ein freies und kostenloses Bildungssystem einzutreten. Es ist links die soziale Not der Rentner in Kosova zu thematisieren. Es ist links sich gegen die Entlassung der Arbeiter zu stellen. Es ist links die Privatisierung der Ökonomie Kosovas abzulehnen. Das Eintreten für die Unterdrückten, Beleidigten und Ausgebeuteten ist links. Es ist links die ethnisch definierten serbischen Parallelstrukturen abzulehnen. Es ist links für das Recht auf Selbstbestimmung einzutreten. Bitte erklären Sie mir ob diese linken Forderungen unpopulär sind. Unpopulär muss eine „Sozialistische Partei Kosovas“ bleiben, die sich zwar links und sozialistisch nennt aber das Gegenteil vertritt.

Ich hoffe die Antwort war nicht zu lang und gibt Ihnen Denkanstöße


Max Brym