Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
05:24
10.07.2020

Vollbild anzeigenSehr geehrte Damen und Herren von Kosova-Aktuell. Ich bin Serbin und studiere in München. Herr Brym ist mir persönlich als sehr weit links stehend bekannt. Aufmerksam verfolge ich Ihre Berichte zu Kosovo. Allerdings verstehe ich jetzt ihre Haltung zu dem Abkommen in Brüssel nicht. Was ist daran schlecht wenn sich die serbischen Gemeinden in Kosovo zusammenschließen dürfen ? In Serbien wettern die Ultranationalisten, um den ehemaligen

Premier Kustunica gegen das Abkommen. In Kosova lehnen die Nationalisten von der „ Bewegung für Selbstbestimmung“ ebenfalls das Abkommen ab. Warum unterstützen Sie die albanischen Nationalisten ? Haben Sie etwas gegen die Serben ?

Jelena M. Studentin München,

 

Antwort- Wir haben nichts gegen die einfachen serbischen Menschen

 

Sehr geehrte Frau Jelena M., die „ Bewegung für Selbstbestimmung“ ist keine reaktionär nationalistische Organisation. Im Gegenteil, VV tritt für gleiche Rechte aller Menschen unabhängig von ihrer Nationalität in Kosova ein. Scharf wendet sie sich aber gegen den Kolonialismus und die reaktionäre ethnische Teilung Kosovas. Wir können aber nicht für VV sprechen und teilen Ihnen deshalb unsere Meinung zum Abkommen in Brüssel mit. Der angeblich serbische Norden Kosovas ist das Produkt von ethnischen Säuberungen. In jüngster Zeit wurden seit Februar 2000, insgesamt knapp 16.000 Albaner von dort vertrieben. Der Zusammenschluss ethnisch reiner serbischer Gemeinden mit eigenem Parlament, sowie einem eigenen Fond, schafft objektiv ein zweites Bosnien. In diesen Gebieten gibt es nur serbische Polizisten, Richter und Lehrer. Das steht im Vertrag von Brüssel. Auf knapp 25% des Landes existieren rein serbische Gemeinden. In diesen Gemeinden leben noch Albaner und Roma. Diese Menschen werden unter serbisch nationalistische Kuratel gestellt. Die ethnische Teilung Kosovas ist ein altes Ziel des serbischen Chauvinismus und seiner geplanten Bevölkerungspolitik. Serbien hat Kosova in Brüssel nicht anerkannt. Die Teilung Kosovas kann den Konflikt zwischen Serben und Albanern nur neuerlich verschärfen. Letzteres ist weder im Interesse der einfachen Serben noch der Albaner. Wenn sich VV gegen die Teilung Kosovas ausspricht dann ist das internationalistisch und nicht nationalistisch. Nationalistisch ist der serbische Staat, sowie die EU und andere Imperialisten. Das Geschwätz über Ethnien muss aufhören. Es geht um gemeinsame soziale Interessen von Albanern, Serben und Roma, in Kosova. Jeglicher Teilungsbeschluss konterkariert diese Interessen.

 

Für Kosova Aktuell Agron Sadiku