Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
13:20
24.09.2020


Es ist nicht zu erwarten, dass man einem ebenso unwissenden wie gläubigen Muslim/Christen/Buddhisten oder was auch immer mit Argumenten kommen kann. Daher richtet sich die folgende Bemerkung nicht an "A", sondern an für Tatsachen offene Leser. "A" schreibt: "Hingegen hat der Islam über 1400 Jahre praktisch aufgezeigt, dass

Gesellschaften nur unter der islamischen Lebensordnung eine Leben ohne soziale Kämpfte möglich ist. Hierzu müssen wir einfach nur die Fakten des islamischen Staates bemühen. Die Tatsache, dass es einen islamischen Staat über ca. 1400 Jahre gegeben hat macht deutlich wie sehr der Islam die Probleme der Gesellschaft zu lösen vermag. Nicht einmal das römische Reich hat zeitlich so lange angedauert. Insofern ist dieses Verständnis, dass die Religion eine Privatangelegenheit ist, dem Kapitalismus geschuldet. Dieser hat nämlich als Überzeugungsgrundlage in seiner Ideologie, die Trennung von Kirche und Staat. Und dies ist wiederum aus der französischen Revolution hervorgegangen. Insoweit bist Du ein Opfer deiner Ideologie, der systembedingt kein anderes Verständnis zulässt. Aber bekanntlich lernt der Mensch ja nie aus."
Was für ein Unsinn! 1. hat es bei weitem keine 1400 Jahre (d.h. vom 7. Jh bis zum 20. Jahrundert) lang "einen" islamischen Staat gegeben. Schon im Mittelalter ist der ursprüngliche islamische Einheitsstatt (zunächst der unter den Umayyaden in Damaskus, dann der der Abbassiden in Baghdad) in eine Vielzahl von Einzelstaaten zerfallen. Erinnert sei u.a. an die verschiedenen Staaten im Maghreb, an die Emirate in Spanien (Al-Andalus), an das schiitische Fatimidenreich in Ägypten etc. etc. Wenn "A" aber nur sagen will, dass es 1400 Jahre lang islamischen Staaten gegeben habe, dann stimmt das, aber dann ist dieser Zeitraum verständlicherweise mindestens 3-400 Jahre kürzer als der der Existenz "christlicher" Staaten. Aber was besagt das schon, wenn man die im Namen der jeweiligen Religion begangenen Verbrechen dieser Staaten bedenkt, die sich deutlich gegen die ursprünglichen Anliegen der Religionsgründer, so wie sie von deren frühestzen Anhänger verstanden wurden (die Propheten "Jesus", dessen historische Existenz ungewiss ist, und Mohammad haben schließlich nichts schriftlich hinterlassen!) richteten. 2. war bereits der frühe islamische Staat von politischen und sozialen Konflikten gekennzeichnet. Erinnert sei unter anderem an die Spaltung der islamische Umma in - mehrheitliche - Sunniten und Schiiten, die das Ergebnis eines blutig ausgetragenen Krieges zwischen dem Schwiegersohn des Propheten Muhammad, Ali, und den umayadischen Khalifen war, an das Entstehen der kharejitischen Sekte am Golf, die später u.a. auch Anhänger bis hin nach Maroko fand, die ihrerseits dort eigene Staaten gründete, an den Aufstand der Zanj-Sklaven im Südirak und Khuzistan unter schiitischer Führung (vorallem in der Zeit von 869 bis 883) und in jüngerer Vergangenheit an den Konflikt zwischen den Wahhabiten und den Hashemiten auf der arabischen Halbinsel. Die Geschichtsbücher sind ebenso voll von politischen und sozialen Kämpfen zwischen Muslimen wie zwischen Christen.
    Die Forderung nach Trennung von Staat und Religion ist in der Tat im Wesentlichen aus dem Kapitalismus als der bis dahin dynamischsten Produktionsweise erwachsen, einer Produktionsweise, die im übrigen von allen gegenwärtigen dezidiert muslimischen Kräften verteidigt wird. Die Forderung der Trennung von Staat und Religion (die, um das sicherheitshalber noch zu unterstreichen, nicht auf eine illusorische "Abschaffung" der Religion zielt) dient nicht zuletzt dazu, jenen, die ihre sozialen und politischen Machtinteressen hinter der Berufung auf angeblich von "Gott/Jahwe/Allah" stammende "heilige Schriften" verbergen wollen, zumindest diese giftige Waffe aus der Hand zu schlagen.

 

 

Teil 1 der Debatte

 

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