Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:38
24.09.2020

Werte GenossInnen, Euer Autor A. Sadiku schreibt in seinem ansonsten sehr richtigen Kommentar (http://kosova-aktuell.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2648:kosova-und-die-krim-krise-oder-warum-ein-tiger-kein-vegetarier-ist&catid=13&Itemid=111) u.a. Folgendes: "Jede Anbiederung an den einen oder anderen Imperialisten kann das Leben aller Menschen egal welcher Nationalität in der Ukraine nur erschweren. Letzterer

Standpunkt ist in der deutschen Linken nicht sehr weit verbreitet. Eine Fraktion gefällt sich plötzlich darin den russischen Nationalisten Putin zu unterstützen. Genauso wie sie einst den Schlächter Milosevic in Serbien unterstützten. Dabei geht es dieser Strömung der Linken nicht um konkrete Analysen, sondern nur um abstraktes -kenntnisloses Geschwätz. Diese Leute verfahren nach dem Motto: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Dass sich diese deutsche Linke nur der Lächerlichkeit preisgibt liegt auf der Hand. Nicht viel besser war die Haltung von Gregor Gysi im Parlament. Er betonte die „Zugehörigkeit Kosovos zu Serbien“. Damit fordert der Fraktionsvorsitzende der Partei die Linke im Bundestag, nichts anderes als einen neuen Krieg. Die absolute Mehrheit der Bevölkerung, in Kosovo ist für Selbstbestimmung und Souveränität. Das Gerede vom „ Völkerrecht“ durch Gregor Gysi ist nichts als banaler Unsinn. Nach der rechtlichen Definition, des Völkerrechts müsse Algerien nach wie vor zu Frankreich gehören. Denn bis zum Jahr 1962 behaupteten die französischen Nationalisten, dass Algerien ein „unveräußerlicher“ Bestandteil der Republik Frankreich sei“. Zu dem klagte der Illusionist Gysi eine „fortschrittliche Rolle der deutschen Diplomatie und der EU“ ein. Dies ist genauso klug als von einem Tiger zu erwarten nur noch vegetarisch zu leben. Oder anders ausgedrückt, ein Brandstifter soll plötzlich als Feuerwehrmann agieren. Dieses Gerede bringt weder die Menschen in der Ukraine nach vorne, noch die Menschen auf der Krim, noch den Kampf gegen die deutsche imperiale Außenpolitik."

Es ist leider wahr, dass es diese Kräfte innerhalb der Linken hier durchaus gibt. Nicht richtig ist jedoch, wenn suggeriert wird, dass es eine Zwangsläufigkeit derart gibt, dass diejenigen, die die russische Position in der Ukraine-Frage im Wesentlichen unterstützen, auch das Selbstbestimmungsrecht Kosovas ablehnen müssen. Ich jedenfalls ziehe diesen Schluss nicht und kann mir nicht vorstellen, dass ich der Einzige bin. Welche weiteren Motive die selbstredend keineswegs linken Herrscher in Moskau auch haben mögen. Es ist ein Fakt, dass sie nicht nur aktuell das nationale (und selbstredend als bürgerliche Kraft absolut nicht das soziale) Selbstbestimmungsrecht der russischsprachigen Bevölkerung eionschließlich ihrer "werktätigen" Mehrheit nicht nur unterstützen, sondern durch ihre militärische Präsenz seine Ausübung erst ermöglichen. Das russische Regime ist selbstverständlich grundsätzlich kein Freund der internationalen Arbeiterklasse, insbesondere nicht der russischen, aber unter den herrschenden Bedingungen muss zumindest ein Gedanke auf die Frage gerichtet werden, ob die Bedingungen für den Klassenkampf der internationalen Arbeiterklasse, und hier insbesondere der ukrainischen, sich verbessern oder verschlechtern würden, wenn das neue orange-braune Regime in Kiew sich gegenüber den nationalen Minderheiten in der Ukraine und - als Speerspitze des zweifellos international deutlich stärkeren imperialistischen Lagers unter Führung von USA und EU - gegenüber den russischen Verteidigungsinteressen durchsetzen würde. Weil ich das nationale Selbstbestimmungsrecht als eines der demokratischen Rechte, hinter die auch die sozialistische Bewegung nicht zurückfallen darf, unterstütze, habe ich auch das Selbstbestimmungsrecht der Kosovaren unterstützt, obwohl relativ bald absehbar war, dass den sozialen Interessen der kosovarischen Werktätigen durch die Zerschlagung Jugoslawiens auf dem bekannten Weg nicht gedient werden würde. Eine "Zwangsehe" ist aber auf keinen Fall eine bessere Lösung. Die Bombardierung Serbiens und aktive Zerschlagung Jugoslawiens war seitens der NATO und insbesondere auch der BRD-Regierung ein Verbrechen, aber gleichzeitig ist es doch wohl so, dass die Kosovaren ohne dieses Verbrechen keine Möglichkeit gehabt hätten, das nationale Selbstbestimmungsrecht wahrzunehmen. Sie haben natürlich keinen Grund, deswegen den NATO-Bombern ewig dankbar zu sein, hatten diese doch unzweifelhaft andere Interessen als das Wohlergehen der Werktätigen in Kosova. Mir scheint, dass sowohl in diesem Fall als auch aktuell in der Ukraine gewissermaßen ein Vergleich mit dem 2. Weltkrieg naheliegt. Keinem der Konkurrenten des faschistischen Deutschlands ging es um die Menschenrechte der Deutschen oder überhaupt um humanitäre Fragen, nicht einmal betreffs der Opfer des Holocausts. Dennoch hat der 2. imperialistische Krieg einen besonders abscheulichen Feind der Menschheit und insbesondere der internationalen Arbeiterklasse ausgeschaltet. Die internationale Arbeiterbewegung war zu Recht nicht neutral gegenüber dem Faschismus und dem "demokratischen" Imperialismus (der ja zu gleichen Zeit und unmittelbar danach keineswegs z.B. vor Massakern in "seinen" Kolonien zurückschreckte). Ich meine, eine ähnliche Haltung wäre aktuell gegenüber Russland angebracht, ohne das dabei irgendwelche Illusionen in den Charakter des dortigen Staates genährt werden sollten.