Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
04:45
26.10.2020

Liebe Redaktion kürzlich war ich als Besucher für einige Wochen in Kosova. Der Herausgeber von Kosova- Aktuell, Max Brym, hat im letzten Jahr ein Buch, unter dem Titel „ Kosova - Kolonie und neoliberales Eldorado“ veröffentlicht. Nach meinem dreiwöchigen Aufenthalt in Kosova kann ich den Titel des Buches und die Analysen von Herrn Brym, nur bestätigen. Ständig trifft man sehr

arme Menschen und auf der anderen Seite sieht man luxuriös ausgestattete Herrschaften durch die Straßen der Städte flanieren. Der soziale Gegensatz im Land springt einem auch ohne Buch sofort ins Auge. Auf der einen Seite ein verunstaltetes armes Gesicht, auf der anderen Seite, Herrschaften die ihre Armani Anzüge oder ihre Original Gucci Tasche spazieren führen. Die Arbeitslosigkeit ist ein absolutes Massenphänomen. Arbeiter berichteten mir wie sie während und nach der Privatisierung einfach auf die Straße geworfen wurden. Die ihnen gesetzlich zugeschriebene Abfindung erhielten sie in aller Regel nicht. Andere, die in den privaten Firmen weiter arbeiten, müssen oftmals Reverse unterschreiben wonach sie keine Gewerkschaftsmitglieder sind. Die Arbeiter verfügen nur auf dem Papier über soziale Rechte. Das Buch von Herrn Brym ist ein sehr zuverlässiger Reiseführer durch das Land. Nach der Lektüre des Buches begab ich mich nach Drenas. Dort wurde im Jahr 2006 der Gigant „ Ferronikel“ für 33 Millionen € privatisiert. Die jährlichen Gewinne nach Steuern übersteigen jährlich den ursprünglichen Kaufpreis und zig Millionen. Einst beschäftigte die relativ moderne Firma knapp 2000 Arbeiter. Heute arbeiten nur noch etwas über 1000 Arbeiter bei Ferronikel. Ständig gibt es Meldungen über schwere Unfälle am Arbeitsplatz und über die Vergiftung der Arbeiter an den Produktionsanlagen. In Drenas selbst gibt es die höchste Zahl von bronchiale Erkrankungen, sowie Krebserkrankungen in gesamt Kosova. An der gigantischen Autobahn durch Kosova arbeiten die Arbeiter rund um die Uhr, für 0,92 € in der Stunde. Überstunden wurden und werden selbstverständlich nicht bezahlt. Im Winter gab es keinerlei Überbrückungsgeld für die an der Autobahn beschäftigten. Dafür ist die Autobahn durch Kosova, die teuerste Autobahn pro Kilometer in Gesamtosteuropa. Nach aktuellen Schätzungen kostet die Autobahn den Steuerzahler 1,4 Milliarden €. An diesem Projekt bereicherte sich das Konsortium Bechtel & Enka. Ursprünglich gab der Ministerpräsident einen maximalen Kaufpreis von 700 Millionen € an. Der Preis hat sich demzufolge verdoppelt. Gleichzeitig nimmt die Armut in Kosova nicht ab, sondern zu. Rund 16 % der Bevölkerung leben in extremer Armut und leiden unter Kalorienmangel. Das meist verwandte Wort der politischen Kaste ist das Wort Geduld. Diese Geduld scheint dem Ende entgegen zu gehen. Ein deutschsprachiger Pensionist witzelte in einer Kneipe: „Geduld, Geduld Geduld, ich bin weit über 80, welchem Grund habe ich dazu noch geduldig zu sein ?“ Die Unzufriedenheit ist besonders bei der Jugend feststellbar. Der normale erwerbslose Jugendliche ist entweder zugedröhnt, ausreisewillig, oder rebellisch. Kosova ist das Land mit der jüngsten Bevölkerung in ganz Europa. Knapp 50 % der Einwohner sind unter 25 Jahren alt. Die meisten der Jugendlichen sind mehr als unzufrieden, entweder sie versuchen in den EU Raum zu gelangen, oder sie beginnen revolutionären Gedanken anzuhängen. Auf alle Fälle ist Kosova ein von internationalen Beamten ( EU Mission) vollgestopftes Land ohne jegliche Selbstständigkeit und Selbstbestimmung. Für die Internationalen ist die Lage in Ordnung solange Ruhe in Kosova herrscht. Sie propagieren nur den Gedanken der Privatisierung und der individuellen Freiheit. Es ist jedoch völlig klar, dass ohne soziale Gleichheit keine Freiheit existieren kann. Meine persönlichen Eindrücke decken sich voll und ganz mit der Analyse aus dem Buch „ Kosova- Kolonie und neoliberales Eldorado“ von Herrn Brym. Um die Lage zu verstehen und zu begreifen welches Pulverfass Kosovo darstellt sollten besonders bundesdeutsche Linke dorthin reisen, Solidarität zum Ausdruck bringen und das Buch von Herrn Brym lesen.

 

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MAX BRYM

Kosova Kolonie und neoliberales El Dorado

Kosova – Kosovo ist und bleibt ein gefährliches Pulverfass in Südosteuropa. Massenarmut und soziales Elend prägen das Leben der Menschen. Wie kann die soziale und nationale Frage in Kosova gelöst werden?

Format: 12 x 19 cm

Seitenanzahl: 164

ISBN: 978-3-85438-712-1

Erscheinungsdatum: 09.07.2013

Bestellungen unter http://www.united-pc.eu/buecher/biografie-politik-zeitgeschichte/politik-wirtschaft/kosova-kolonie-und-neoliberales-el-dorado.html