Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
05:22
26.10.2020

Kürzlich fand ein Gespräch zwischen dem Herausgeber von Kosova -Aktuell Max Brym und einem albanischen Arbeiter in München statt. Der albanische Kollege bezeichnete sich als politisch rechts stehend und konservativ. Er nannte sich selbst einen 100-prozentigen Antikommunisten. Das Gespräch zwischen Max und Besnik, wurde aufgezeichnet und wird unten stehend publiziert. Wir dokumentieren das Gespräch deshalb, weil die Meinung des Kollegen in weiten Kreisen der albanischen Diaspora vorhanden ist. Max wird mit abgekürzt mit M und Besnik mit B

 

Dokumentation

 

B- Ihr Organ Herr Brym hat oft einige interessante Aspekte, dennoch sind einige ihrer Artikel ziemlich falsch und sehr linkslastig. Das das stört mich sehr ,denn ich bin Patriot und stehe politisch rechts.

M- Erklären Sie mir mal wie man als Arbeiter und Albaner aus Kosova politisch recht stehen kann ?

B- Wr hatten in Kosova lange Zeit eine brutale kommunistische Diktatur von Tito bis Milosevic. Die Folgen dieser Herrschaft sind Ihnen bekannt.

M- Nein sie hatten im Kosova niemals einen real existierenden Sozialismus, sondern eine brutale stalinistische Diktatur, die dem Namen nach „kommunistisch“ war. In Kosova existierte vor 1999 alles real nur nicht der Sozialismus. Besonders unter Milosevic, wurde deutlich, dass sie positive Begrifflichkeit Sozialismus nur die billige Maskerade für eine offene chauvinistische Diktatur gewesen ist.

 

B- So ein Quatsch die waren doch alle Links.

 

M- Ja Dem Namen nach. Ich könnte Ihnen ja auch erzählen, dass sich Jesus Christus bin, wenn Sie mir das glauben sind sie selber schuld, nicht ich.

 

B- Sorry aber das sind doch billige rhetorische Tricks.

 

M- Nein ich will sie nur dazu bringen, die Dinge so zu sehen wie sie sind und nicht eine irreale Wahrnehmung der Realität zu haben.

 

B. O.k. Dann sagen Sie mir doch bis sich die Entwicklung im Kosova vorstellen.

 

  1. Ihnen ist bekannt, dass es in Kosova im wesentlichen eine real existierende Klassengesellschaft gibt. Knapp 6 % der Bevölkerung leben in Reichtum und Überfluss, während der Rest in Armut oder in extremer Armut lebt . Das soziale spielt in Kosova keinerlei Rolle. Zudem ist das Land auf ethnischer Basis gespalten . Notwendig ist es in Kosova dafür zu kämpfen, dass eine Gesellschaft der sozialen Gleichheit, auf der Basis der Unabhängigkeit und des Selbstbestimmungsrechtes entsteht.

 

B- Das hört sich ganz gut an. Ich glaube aber nur dass Sie kommunistische Phrasen benutzen. Kommunisten konnten immer nur kritisieren aber nichts positives aufbauen.

 

M- Damit liegen Sie völlig daneben, jedes soziale Zugeständnis auch hier im Westen konnte nur errungen werden, weil die Arbeiter und Arbeiterinnen zum herrschenden kapitalistischen System Gegenmachtorgane entwickelten. Die so genannte System Konkurrenz zwischen Ost und West war früher ein zusätzlicher Faktor, der dem reinen und nackten Kapitalismus bestimmte Grenzen auferlegte. Der Chauvinismus von Milosevic gegenüber den Albanern in Kosova ist in Wahrheit, nur mit der vollständigen Restauration des Kapitalismus in Ex Jugoslawien zu erklären.

B- Was meinen Sie damit jetzt ?

 

M- Im Jahr 1987 lobte die deutsche Wirtschaftspresse Milosevic als „modernen Reformer“ der mit den alten verkrusteten Strukturen aufräumt . In der Tat, spätestens im Jahr 1987 mutierten die so genannten „Kommunisten“ in Ex Jugoslawien in offene Nationalisten. Im Jahr 87 hatte Jugoslawien bei 20 Milliarden $ Auslandsschulden eine galoppierende Inflation, teilweise bis zu 1000 %. Besonders in Bosnien gab es im Jahr 1987 unzählige Arbeiterstreiks gegen die Manager und die angehende Privatisierung der Ökonomie. Um den Klassenkampf von unten zu begegnen begann Milosevic die „nationale Mobilisierung“. Besonders die Unterdrückung in Kosova nahm immer dramatischere Ausmaße an . Gegen die Aufhebung der Autonomie Kosovas demonstrierten die Arbeiter in dem berühmten Hungerstreik in Trepca, mit albanischen Fahnen und jugoslawischen Fahnen. Dagegen mobilisierte Milosevic, die Armee, die Polizei und schloss ein offenes Bündnis mit den Tschetniks und der serbisch orthodoxen Kirche . Dagegen lehnten sich die Albaner zurecht und in immer neuen Formen auf.

 

B- An ihrer Wahrnehmung der Geschichte ist der einiges dran, dennoch trete ich für ein westliches demokratisches System -heute im Kosova ein.

 

M- Ist Ihnen eigentlich klar, dass die Ehe zwischen Demokratie und Kapitalismus schon vor einiger Zeit geschieden wurde. Nur noch in der Metropolen des Kapitalismus wird der Schein der Demokratie noch aufrechterhalten . Ansonsten gibt es in Europa zunehmende Verarmungsprozesse, technische Regierungen, oder die Rehabilitierung von offenen Faschisten wie in Ungarn, der Ukraine oder in Griechenland. Im Rahmen der Krise des Kapitalismus sind zunehmend nur noch Sparprogrammen mittels Zerschlagung der sozialen Rechte wichtig . Kosova hat den Status einer Kolonie, der das Selbstbestimmungsrecht verweigert wird. Zudem ist Kosova ein Internationales Experiment in dem getestet wird wie weit bei der Zerschlagung von sozialen Rechten gegangen werden kann . In Kosova gibt es kein öffentliches Gesundheitssystem, in Kosovo ist die öffentliche Bildung dermaßen auf den Hund gekommen, es wird nur noch auf private Universitäten und private Gesundheitseinrichtungen setzt. Der Hunger der Massen in Kosova interessiert niemand, einzig die Privatisierung, die 76.000 Arbeitsplätze bis dato kostete, scheint interessant zu sein . Arbeiterrechte stehen im Kosova nur auf dem Papier. Das Geld in der Hand weniger, die Liquidierung weiter Teile der Produktion weißt Kosova den Status eines neokolonialen Rohstofflieferanten zu. An Produktion und Arbeit in Kosova selbst ist nicht gedacht. Höchstens wirtschaftlich wichtige Autobahnen sind wichtig. Der Asphalt verschlingt jede Menge Geld. Das Volk ist auf der Strasse. Aus Kosova wird ein Transitland für Waren aus Osteuropa gemacht.. Rund ein Drittel der Bevölkerung im Kosova lebt von den Überweisungen der albanischen Emigration aus der Diaspora. Ich kann mir nicht vorstellen dass sie diese Situation als gut erachten.

 

B. Selbstverständlich ist die Situation nicht schön. In der Beschreibung der Realität haben sie durchaus recht.

 

M- Wenn ich schon recht habe dann sollten sie auch ihre so genannte rechtskonservative Haltung in den Mülleimer werfen. Ich glaube nämlich, dass sie in Wirklichkeit links sind.

 

B. Warum soll ich denn links sein ?

 

  1. Weil links sein bedeutet: Alle Verhältnisse radikal infrage zu stellen und dienen der Mensch ein unterdrücktes beleidigtes erniedrigtes und verlassenes Wesen ist.

B. Wenn das so ist Herr Brym dann bin ich durchaus ebenfalls links.