Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
18:51
22.09.2018

Werte GenossInnen, ich stimme mit Max Brym in einigen Punkten (vermutlich) nicht überein: 1. halte ich es für falsch und politisch gefährlich, die Hamas (und andere islamistische Reaktionäre) als "faschistisch" zu bezeichnen, obgleich die Ähnlichkeiten in vieler Hinsicht unverkennbar sind. Bewegungen wie die Hamas sind nicht faschistisch. Sie haben tatsächlich mit dem Faschismus

Einiges gemeinsam, aber genauso viel trennt die Richtungen. Das fängt schon beim Ziel an. Mit einem Gottesstaat hat kein Faschist was am Hut, der Faschismus strebte einen neuen, säkularen Staat an, er war nicht nur antiliberal und antimarxistisch, sondern auch antikonservativ. Dagegen sind Bewegungen, in deren Ideologie eine Religion die Hauptrolle spielt, schlicht reaktionär. Faschismus muss nicht einmal antisemitisch sein, Mussolini war es nicht, Hitler ging mit seinem Rassismus und Antisemitismus schon über den Faschismus hinaus.


2.
halte ich die in seinem zweiten Satz tendenziell angelegte Äquidistanz
zwischen beiden kämpfenden Lagern (arabischer Nationalismus vs.
jüdischer Nationalismus) für unangebracht. Zwar ist es historisch so,
dass - wie bereits von dem jüdischen Trotzkisten Israel Deutscher
formuliert - das Problem darin besteht, dass die von den (
"christlichen") Europäern gewissermaßen aus dem Fenster geworfenen
europäischen Juden - wieder mit Hilfe der gleichen Europäer (die
US-Amerikaner gehören dazu) auf die Palästinenser und mehr oder weniger
anderen Araber gefallen sind. Das aber darf Linke nicht davon abhalten,
konkret den Unterschied zwischen dem unterdrückenden Nationalismus
(Zionimus) und dem Nationalismus der Unterdrückten (in dieser Frage der
Palästinenser) in den Mittelpunkt zu stellen und somit für die Auflösung
Isaraels als zionistischen Staat (wohlbemerkt nicht für die Entfernung
"der" jüdischen Israelis aus der Region!) einzutreten.

Abgesehen davon aber stimme ich Max Brym darin zu, dass ein gemeinsames
Auftreten von Linken mit "antisemistischen" (oder genauer
"antijüdischen") Kräften außerhalb jeder Diskussion steht. Wenn es denn
so sein sollte, was von anderen linken Beobachtern durchaus bestritten wird,
was ich aber aus eigener Anschauung nicht beurteilen kann - wenngleich ich
befürchte, dass es aktuell nicht anders ist -, dass antijüdische Kräfte bei den
jüngsten Demonstranten gegen die zionistischen Verbrechen in Gaza (die ja keineswegs
auf die aktuellen und vergangenen Militäroperationen Israels dort beschränkt werden
können) in Deutschland irgendeine Relevanz hatten und die Linke keine Kraft hat,
religiös oder gar rassistisch motivierten antijüdischen Demonstranten eines Besseren
zu belehren oder auch nur am Ausleben ihrer chauvinistischen Emotionen
zu hindern, dann sollte sie in der Tat auf die Teilnahme an Demonstrationen
verzichten und sich auf andere Wege der Solidarität mit den Opfern des Zionismus
(zu denen im übrigen auch viele, wenn nicht die meisten Juden selbst gehören)
konzentrieren. Das ist übrigens eine Position, die auch der entspricht, die ich
bezüglich der Situation in Syrien vertrete, wo die Linke (innerhalb und außerhalb Syriens)
angesichts der absoluten militärischen Vorherrschaft ultrareaktionärer
Kräfte in der Opposition schon lange keine Möglichkeit mehr hat, ihren
berechtigten Kampf gegen die bürgerliche Baath-Diktatur mit einer
fortschrittlichen Perspektive zu führen.

Die Linke in Deutschland hat so gut wie keine Möglichkeit, die Lage im Nahn Osten und
speziell in Gaza direkt zu beeinflussen. Es ist deshalb ihre erste Aufgabe, hierzulande
für ein klares Bewußtsein dessen zu arbeiten, was notwendig ist, gleich ob aktuell möglich
oder nicht. Dazu gehört der ideologische Kampf gegen alle Formen von Antijudaismus wie
auch Islamismus und reaktionären Nationalismus. Wenngleich die beiden letzten Ideologien
wesentlich die von Opfern des Imperialismus (speziell auch in seiner zionistischen Ausprägung)
sind, stehen sie doch auch sie einer wirklichen Befreiung der werktätigen Menschen
überall im Wege.


 A. Holberg


Dokumentation Text von Max Brym






Nahostkonflikt- Oder der Mut beiseite zu treten


von Max Brym

Momentan finden in Deutschland viele so genannte
Solidaritätsdemonstrationen mit den Palästinensern, speziell mit den
leidenden Menschen im Gazastreifen statt. Gegen diese Demonstrationen wäre nichts einzuwenden wenn sie sich von
jeglicher Einseitigkeit distanzieren würden.

Dies ist aber leider nicht der Fall. Im Aufruf der Jugendorganisation
der Linken 'Solid' zu einer Demonstration in Essen, sucht man
vergebens nach einer Distanzierung von der faschistischen Hamas.

In Deutschland nur Israel zu kritisieren ist nicht nur inhaltlich
falsch, sondern extrem gefährlich. Auf allen Demonstrationen finden
sich unter dem Deckmantel des Antizionis- mus, jede Menge Antisemiten
ein. Im Anschluss an die Kundgebung der Linken, die keinesfalls
antisemitische war wurden Menschen am Essener Hauptbahnhof, welche
Israel Fahnen hatten massiv attackiert und angegriffen.

Auf der Kundgebung von 'Solid' waren die Rufe Allahu Akbar stärker zu
vernehmen als der Ruf: “Hoch die internationale Solidarität“.
Letzteres war von den Veranstaltern nicht beabsichtigt, dennoch sind
die Veranstalter zu kritisieren, da sie keinerlei Empfindlichkeit
gegenüber dem Antisemitismus und dem islamischen Fundamentalismus in
Deutschland haben. Dieser Antisemitismus hat elementar nichts mit dem
Nahostkonflikt zu tun.

Es ist für Juden wieder gefährlich geworden in Deutschland. In Berlin
am Kurfürsten- damm rief ein aufgebrachter Mob: „Jude, Jude, feiges
Schwein, komm heraus und kämpf' allein." Es sind bei den
Demonstrationen Plakate zu sehen auf denen zu lesen ist: “Früher
angeblich Opfer heute Täter“.

In Berlin wurden Menschen welche die Kipa trugen von einem
aufgebrachten antise- mitischen Haufen attackiert. Der Schutz für
Synagogen muss in Deutschland wieder verstärkt werden. Gestern
stürmten in Nürnberg palästinensische Demonstranten Filialen von
'Burger King' und 'McDonald's' in der Annahme, dass es sich bei den
Firmen um „jüdische Einrichtungen“ handelt.

Der Antisemitismus beherrscht die Straßen. Das Bombardement des
Gazastreifens ist nur ein Vorwand für diese traurige Realität. Jeder
Jude in Deutschland wird auf der Straße und an diversen Stammtischen
in Kollektivhaftung genommen, für die Taten des reaktionären
israelischen Staates. Persönlich habe ich es mir mittlerweile
abgewöhnt mit so genannten Anti - Zionisten in Deutschland zu
diskutieren. Egal was ein Jude sagt es ist immer verkehrt, er wird mit
Netanyahu in Verbindung gebracht.

Eine differenzierte internationalistischen Solidaritätsbewegung mit
den normalen Menschen im Gazastreifen und in Israel ist in
Deutschland derzeit unmöglich. Immer wieder wird Israel mit dem
deutschen Hitler Faschismus in Verbindung gebracht. Es hat nichts mit
einer konkreten Analyse der Lage im Nahen Osten zu tun, sondern es hat
nur den Zweck, die deutsche Geschichte zu entsorgen. Gegenüber dieser
Mehrheit von deutschen Antisemiten und Anhängern der faschistoiden
Hamas ist kein vernünftiger Diskurs auf den Straßen möglich.

Die deutsche Linke sollte daher den Mut haben beiseite zu treten.
Solidarität mit den Menschen im Nahen Osten ist in Deutschland
momentan auf Straßen und öffentlichen Plätzen nicht möglich. Jeder
Versuch einer differenzierten Analyse und einer korrekten Kritik an
der israelischen Regierungspolitik wird antisemitisch umgedreht und
führt zu einer Pogromstimmung.
Die Linke in Deutschland hat keinen „Roten Frontkämpfer Bund“ ( RFB)
welcher im Stande wäre Antisemiten aus den „Palästina -
Solidaritätsdemonstration“ zu drängen.

Das Massenbewusstsein in Deutschland ist zutiefst reaktionär. Deshalb
schlage ich vor inhaltliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen
zum Nahen Osten durchzufüh- ren.Bei diesen Veranstaltungen muss es um
die Solidarität mit den Palästinensern und den Juden in der Region gehen.

Im Diskurs hat die Differenz bzw. die differenzierte Betrachtung der
Ereignisse im Nahen Osten im Mittelpunkt zu stehen. Es darf keinerlei
Solidarität mit der israelischen Regie- rung und der faschistoiden
Hamas geben.

Der unabhängige revolutionäre Standpunkt hat gegenwärtig auf den
Straßen keine Chance , sich durchzusetzen. Jede Haltung die diese
Realität ausgeblendet befördert nur antisemitische Übergriffe und die
Förderung antisemitischer Gewalt. Die Verantwor- tung von Linken
besteht darin, den Antisemitismus auf den Straßen und Plätzen wahr-
zunehmen.

Demzufolge gilt es die Waffen der Kritik schriftlich und mündlich
auszudrücken. Abzulehnen ist jeder Standpunkt der sich in irgendeiner
Form mit der Hamas solidarisiert oder andersherum die israelische
Regierung schönredet.