Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
11:51
25.08.2019
Vor einiger Zeit schrieb Luljeta Selimi ein Buch zum Schicksal von Frauen aus Kosova, welche während des Krieges vergewaltigt wurden. Frau Selimi schrieb in ihrem Vorwort zum Zweck des Buches: „Einer der Hauptgründe ist die Tatsache, dass die Wahrheit über dieses äußerst schmerzvolle und heikle Kapitel des letzten Krieges in Kosova bis jetzt

ein Schattendasein geführt hat.“ Aus diesem Grund publizieren wir das Vorwort des sehr lesenswerten Buches auf Kosova- Aktuell.

 

Dokumentation aus www.g99.org

 

Anstelle eines Vorworts


Warum fühle ich mich verpflichtet, die Erzählungen vergewaltigter Frauen zu veröffentlichen? Einer der Hauptgründe ist die Tatsache, dass die Wahrheit über dieses äußerst schmerzvolle und heikle Kapitel des letzten Krieges in Kosova bis jetzt ein Schattendasein geführt hat. Diese Wahrheit, so schmerzhaft sie auch sein mag, muss den Menschen zugänglich gemacht werden. Die Wahrheit ist wohl immer schmerzhaft und schwerwiegend, besonders wenn es um die größte „Wunde“ eines jeden Krieges geht; um die Vergewaltigungen. Vergewaltigungen finden in jedem Krieg statt und werden überall als eines der schwerste Kriegsverbrechen betrachtet. Auch in den letzten drei Balkankriegen haben serbische Barbaren Verbrechen in Kroatien, Bosnien und zuletzt auch in Kosova begangen. Zusätzlich zu den Vertreibungen, Brandstiftungen, Zerstörungen, Raubzügen, Verschleppungen und Verhaftungen haben sie sich an Frauen jeden Alters vergangen. Vergewaltigungen sind in jeder Gesellschaft schwer zu verkraften. Doch besonders in der kosovarischen Gesellschaft hinterlassen Verbrechen dieser Art unverkennbare Spuren; nicht wohl auch zuletzt auf Grund eines stark traditionell-konservativ geprägten Moral- und Wertesystems. Während meiner Feldarbeit habe ich aus nächster Nähe sehen können, wie schmerzhaft die Erlebnisse der Frauen waren. Die Erinnerungen an die sexuellen Misshandlungen belasten auch heute noch Opfer und Angehörige. Menschen aller Gesellschaftsschichten in Kosova weichen jeder Diskussion um die Vergewaltigungen aus! Ich verstehe die Kosovaren, die weder darüber sprechen noch schreiben oder gar etwas unternehmen wollen, um die Vergewaltigungsfälle aufzuklären. Unverständlich hingegen ist mir das Verhalten der internationalen Vertreter in Kosova: Trotz der ausreichend finanziellen Mittel, die ausschließlich zur Aufklärung der Vergewaltigungsdelikte zur Verfügung gestellt werden, sind keine Unternehmungen angestrebt worden, um die Schuldigen aufzuspüren. Auch die Vergewaltigungsopfer erhalten weder psychologische noch medizinische Betreuung. Deswegen und auch auf Grund des unverantwortlichen Verhaltens derer, die aufgerufen sind, etwas zu unternehmen, sah ich mich motiviert, die erschütternden Berichte einiger vergewaltigter Frauen zu veröffentlichen.
Internationale sowie nationale Organisationen verhalten sich, als ob hier kein Krieg stattgefunden hätte, keine Morde, Brandstiftungen und Raubzüge, keine Vergewaltigungen; als seien diese Verbrechen nie passiert. Doch nicht nur das: Sie verschließen die Augen vor den Vergewaltigungen und verhalten sich so, als hätten die Vergewaltigungen an einem anderen Ort stattgefunden und nicht hier vor unseren und aller Welt Augen.
Heute gibt es in Kosova Frauen, die sich nach den erlebten Vergewaltigungen in einem sehr kritischen geistigen, körperlichen und materiellen Zustand befinden. Diese Frauen brauchen dringend psychologische, moralische und materielle Unterstützung. Sie benötigen ständige ärztliche Behandlung und Aufsicht, doch niemand betreut sie.
Sogar das Haager Tribunal, dessen internationale Vertreterin in Prishtina „arbeitet“ und deren einzige Aufgabe es ist, die während des Krieges stattgefundenen Vergewaltigungsfälle aufzuklären, übersieht die Pflicht zum Handeln. Angesichts dieser Tatsache erscheint es durchaus erstaunlich, dass viele während des Bosnien-Krieges vergewaltigte Bosnierinnen vor dem Haager Tribunal ausgesagt haben oder noch aussagen werden. Diese Möglichkeit zur Aussage muss auch den albanischen Vergewaltigungsopfern gegeben werden. Auch sie sollen das Recht wahrnehmen können, die serbischen Kriminellen vor einer internationalen Judikative zur Rechenschaft zu ziehen. Den misshandelten Frauen fällt es schwer, gegen ihre Schänder vorzugehen, doch ihnen muss klar werden, dass Verbrechen nicht verheimlicht werden dürfen. Ein Vorgehen gegen diese Straftaten dienen letztlich auch den Opfern selbst, denn auf diesem Wege können sie ihre Seele entlasten.
Für die Wunden, die die vergewaltigten Frauen mit sich tragen, müssen sie in erster Linie selbst ein Heilmittel finden. Doch ihr jetziger physischer und psychischer Zustand kann weit reichende Folgen haben; umso mehr da es ihnen an der grundlegendsten professionellen und institutionellen Unterstützung fehlt. Es stellt sich die Frage, wie ein vergewaltigtes 14-jähriges Mädchen ohne jegliche Unterstützung wieder zu einem alltäglichen Leben zurückfinden soll? Wie soll eine junge Frau es verkraften, dass sie auf Grund der Vergewaltigung von ihrem Verlobten verlassen wurde? Wie kann sich eine junge Mutter mit dem schrecklichen Schicksal abfinden, dass sie nach der Vergewaltigung eine Totgeburt erleiden musste und nie wieder Kinder bekommen kann? Wie kann man eine Mutter heilen, die nicht zu ihren Kindern zurückkehren kann, weil die Barbaren sie vor den Augen ihrer Kinder und der ganzen Familie vergewaltigten? Wie sollen die vergewaltigten Frauen all dies ohne jegliche Unterstützung durch die kosovarische Gesellschaft verarbeiten? Vielleicht hätte ich dieses Buch nicht geschrieben, wenn mir eine vergewaltigte Frau nicht nur von den Misshandlungen berichtet hätte, sondern auch davon, dass sie daraufhin erniedrigt und zu guter Letzt auch verlassen wurde. Bei dem Versuch sie zu trösten, flüsterte sie: „Wir, die vergewaltigt wurden und heute leiden, sind zugleich die Moral und die Unmoral aller Kosovaren. Auch wenn wir unter den Lebenden weilen, so fühlen wir uns doch tot. Wenn wir die Straße entlang gehen, spüren wir die Last der Vergewaltigung, wir sehen sie in den Augen der Menschen, die vielleicht niemals erahnen werden, was wir erlebt haben. Wir sind die Wunde und das Leiden jedes Menschen. Wenn die Menschen lachen, so haben wir das Gefühl, dass sie sich über unsere Tragödie lustig machen.
Die Last von allem, dass in Kosova aufgebaut wird, drückt auf uns. Wir sind in diesem Land das Blut, der Staub und die Spucke von gestern, heute und morgen. Daher muss jemand die Stimme für uns erheben. Ich sage dir das, weil du das machen kannst, weil du jeden Tag unsere Wunden verarztest. Unser Schmerz wäre noch größer, wenn jemand unser Schicksal zur Belustigung oder Gewinn missbrauchen würde...“
Mit dem Wunsch, dass ihre Wunden und die der anderen ein Appell an unser aller Gewissen sein soll, berichtete sie mir von den Misshandlungen durch die serbische Polizei. Wir müssen verstehen, dass die Freiheit einen hohen Preis hat und dass ein beträchtlicher Teil davon von den vergewaltigten Frauen gezahlt wurde. Diejenigen, die heute auf die Gräber dieser Frauen treten (da viele nach den Vergewaltigungen ermordet und massakriert wurden) oder ihre Tragödien ignorieren oder gar zur Belustigung heranziehen, sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass diese Frauen der Spiegel und das wahre Gesicht der Kosovaren sind. Wir müssen begreifen, dass diese Frauen Hilfe, Unterstützung und tägliche professionelle, ärztliche und institutionelle Versorgung brauchen. Dieses Buch ist nicht nur ein bescheidener Versuch, das Interesse an der Aufklärung der Vergewaltigungsfälle zu wecken; es soll auch ein Appell sein, den Opfern gegenüber ein angemessenes Verhalten an den Tag zu legen.
Ich werde wohl der verschiedensten Kritik ausgesetzt werden, aber ich bin überzeugt, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommen muss, damit sie nicht vergessen wird und das Schreckliche sich nie mehr wiederholt.
Ich teile den Schmerz mit all meinen Schwestern, denn durch das Wiederaufarbeiten der bitteren Vergangenheit habe ich ihre Seelen verletzt.
Dafür entschuldige ich mich im Voraus und bitte um Verständnis.

ganzes Thema
http://www.vajzat.com/ger.htm

Terror gegen albanische Frauen auf youtube

Kosovaret rrëfejnë për përdhunimet e kryera nga serbët


http://www.youtube.com/watch?v=lGv_A3xP3F8

 



http://www.youtube.com/watch?v=eAkfGmroLGU