Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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18.08.2019
Zwar gibt es in Kosova keine Gesetze mehr, die die Frauenrechte direkt verletzen. Zudem sind auf der gesetzlichen Ebene zahlreiche Fortschritte erzielt worden. So können Frauen sowohl nicht nur auf das Sorgerecht für ihre Kinder oder zumindest auf ein Umgangsrecht im Falle einer Scheidung, sondern auch auf Unterhalt klagen. Dennoch scheitert die Realisierung von letzterem nur allzu oft daran, dass dort, wo nichts ist, auch nichts zu holen ist. Erschwerend kommt dann die mangelnde Absicherung durch den noch unzureichenden Sozialstaat hinzu.

Frauen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind, können sich an eines der wenigen Frauenhäuser, die es in Kosova schon gibt, wenden. Nur leider können sie mangels finanzieller und räumlicher Kapazitäten oft nur kurz dort bleiben. Auch können sie ihre Täter auf Unterlassung verklagen und / oder Strafanzeige erstatten. Nur leider ist es für sie in vielen Fällen aufgrund immer noch virulenter sexistischer und menschenrechtsfeindlicher und hochgradig illiberaler Vorstellungen, die an Hellingers Theorien erinnern, manchmal  immer noch schwierig, dabei Unterstützung zu bekommen, auch wenn es schon sehr viele verdienstvolle Bestrebungen von vielen Frauenorganisationen und inspirierende Beispiele von vielen einzelnen Frauen gibt, die auf allen Ebenen gegen das eklatante Unrecht und die Diskriminierung und Entwertung einstehen, welche immer noch nicht der Vergangenheit angehören. Im Bereich der Polizei verweise ich z.B. auf die hervorragende Arbeit von Latife Neziri und Shehrije Jashari, die beide Führungspositionen inne haben und sich für Frauenrechte, Gleichstellung und Gender Mainstreaming einsetzen. Die Anwältinnen der Frauenrechtsorganisation NORMA leisten auch kostenlose Rechtshilfe für Bedürftige. Doch auch mit einem erfolgreichen Prozess ist der sozialen und wirtschaftlichen Notlage, in der sich viele betroffene Frauen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit bei unzureichender Absicherung durch den Sozialstaat, leider noch nicht abgeholfen. Dies bedeutet, dass noch nicht von der Freiheit von Angst und der Freiheit von Not gesprochen werden kann, und dass die immer noch vorhandenen Mißstände der Gewalt, dem Missbrauch und der Unterdrückung Vorschub leisten, da viele Frauen aufgrund der eklatanten finanziellen Schwierigkeiten in Gewaltsituationen verbleiben und / oder wieder zu ihren Tätern zurückkehren.

Das ist ein Schlag gegen alle Befreiungsbestrebungen und Forderungen nach Gleichstellung und konterkariert das in der Europäischen Menschenrechtserklärung sowie in der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen verankerte Verbot von Folter, entwürdigender, grausamer und unmenschlicher Behandlung!

Es ist essentiell, dass den eklatanten Mißständen baldmöglichst abgeholfen wird und diese untragbare Situation beendet wird. Wichtig sind Forderungen nach einer besseren sozialen Absicherung und / oder wenigstens nach Programmen, um von Gewalt betroffene oder bedrohte Frauen schnell in Arbeit zu vermitteln und sie durch Mikrokredite (z.B. in Kooperation mit der Grameen-Bank)    als Existenzgründerinnen zu unterstützen, um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu unterstützen. Essentiell ist auch eine verstärkte Unterstützung von Frauen in Notlagen auf allen Ebenen, auch im privaten Bereich,  und eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit und Vernetzung von Frauenrechtsorganisationen. Auch ist der erlernten Hilflosigkeit und traditionellen frauenfeindlichen Vorstellungen, denen zufolge eine Frau gefälligst in einer von innerfamiliärer Gewalt geprägten Situation zu verbleiben hat, und die in ihrer ewiggestrigen und illiberalen Art an Hellingers Ausführungen erinnern, entgegen zu treten. Für eine Befreiung aus Gewaltsituationen und destruktiven Beziehungen wie auch für die Gleichstellung im allgemeinen ist es relevant, dass Frauen lernen, dass sie sich selbst und auch ihre Freundinnen unterstützen können und dass sie sich auf politscher Ebene für Frauenrechte engagieren können.