Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
21:54
25.05.2019
Nach Einschätzungen der „Weltbank“ und des IWF ist Kosova/Kosovo das ärmste Gebiet in Europa. Offiziell sind 57% der Menschen ohne Arbeit, in Wahrheit dürfte die Zahl bei 80% liegen. Ein gelernter Arbeiter verdient maximal 200 Euro, bei einer gegebenen Preislage die deutschem Niveau entspricht. Es existiert ein enormes soziales Gefälle zwischen den Beamten der UNMIK, die alles in der Hand haben ( der Direktor der Telefongesellschaft verdient 20.000 Euro im Monat) und den „Eingeborenen“ in „UNMIKISTAN“. Rentner haben meist nur 35 Euro im Monat und leben damit am absoluten Existenzminimum. Ohne Unterstützung durch Familienangehörige im Ausland würde in Kosova Massenhunger herrschen.

Unbeeindruckt von dieser Tatsache läßt z.B. der deutsche Innenminister jede Nacht Menschen nach Kosova abschieben. Damit wird den Menschen die wichtigste Existenzbedingung, die Zahlungen aus der Emigration genommen. Zudem gibt es in Kosova immer noch nationale Spannungen und Gegensätze für die sich europäische Minister nicht interessieren. Die Bundesrepublik Deutschland am allerwenigsten. Ein Schreiben der UNMIK an die Bundesregierung „von Abschiebungen vorläufig abzusehen" wurde vom bundesdeutschen Innenminister und seinen Bürokraten kalt ignoriert. In Kosova gibt es neben Not und Elend tiefen Frust sowie eine radikale Ablehnung der UNMIK Herrschaft.

Die internationale Staatengemeinschaft hat die Sorge, dass ihnen der Laden um die Ohren fliegen könnte. Demzufolge arrangiert sie sich mit den örtlichen kriminellen Banden, die „multinational“ zusammenarbeiten. Der Drogenhandel erhält seinen wichtigsten Input aus Serbien. Der Handel mit Frauen und die in Kasernennähe grassierende Zwangsprostitution bedient direkt Soldaten aus den NATO-Staaten. Geforderte Untersuchungen über den Bordellbesuch deutscher Soldaten wischte Verteidigungsminister Struck vor einigen Monaten vom Tisch.

Die Zahl der Frauen und der weiblichen Kinder, die per Gewalt dazu gezwungen werden sich an UNMIK Bürokraten und NATO-Soldaten zu verkaufen, wächst rasant. In den Bordellen Kosovas findet man Frauen und Mädchen des gesamten Balkans, sowie aus Rußland. Das Ganze Geschäft ist eine internationale Angelegenheit und orientiert sich an der Kaufkraft der potentiellen Kunden, die als „internationale Kräfte“ in Kosova stationiert sind. Unter den Frauen sind selbstverständlich auch Albanerinnen aus Kosova.

Die Ursache für Prostitution ist einerseits in der organisierten Männergewalt, andererseits im sozialen Desaster zu suchen. Frauen sind von dem Massenelend in Kosova besonders stark betroffen. Jobs gibt es für sie nicht, höchstens als Dolmetscherin oder Bürokraft für die UNMIK Verwalter in Pristhina. Diese Arbeitsplätze sind häufig mit sexuellen Gegenleistungen verbunden, damit sich ein bestimmter Typ den Gang ins Bordell spart. Innerhalb vieler Familien reaktiviert sich patriarchale Männergewalt. Die Frau gibt den Blitzableiter für Frust und Wut.

Besonders grausam ist das Schicksal von Frauen und Mädchen die während des Krieges 1998/99 vergewaltigt wurden. Viele Familienoberhäupter betrachteten die Vergewaltigung als nicht wiedergutzumachende Schande und schlossen die Frauen aus dem ökonomischen Verbund Familie aus. Andere haben während des Krieges ihre männlichen Partner verloren und stehen nun allein mit ihrer Angst und den gegebenen Traumata in einem Land, in dem es täglich um das Überleben geht.


Vergewaltigte Frauen

Hilfsorganisationen schätzen, dass zwischen Februar 1998 und Juni 1999 ungefähr 15.000 Frauen und Mädchen vergewaltigt wurden. Beim Menschenrechtsverein in Pristhina gibt es über diese Fälle ganze Aktenberge. Aber auch Organisationen wie medicomondiale arbeiten in dieser Angelegenheit.

Stellvertretend für viele Frauen sei hier der Fall von Frau X erzählt. Frau X ist 48 Jahre alt und Kosovoalbanerin. Während der NATO-Intervention im April 1999 ermordete die serbische Polizei vor ihren Augen ihren Mann und ihre zwei Söhne. Sie wurden im Hof ihres Hauses zusammen mit 21 Männern der Nachbarschaft gefoltert, verstümmelt und umgebracht. Anschließend wurde Frau X zusammen mit ihrer Tochter mehrmals vergewaltigt. Frau X war über Jahre eine versteinert wirkende haßerfüllte Frau, die ihren Lebenswillen vollständig verloren hatte. Ihr Vertrauen gegenüber anderen Menschen war gebrochen. Sie fühlte sich schuldig am Tod ihrer Söhne. Sie hatte gravierende psychosomatische Symptome und litt an verschiedenen körperlichen Schmerzen. Sie sagte:“ Feuer überströmt meinen Körper , wenn die kleinen Kinder fragen, wann ihr Vater, ihr Großvater und ihr Onkel zurückkehren.“

Geholfen haben ihr Beraterinnen von Medica Kosova, die sich zuerst um die finanzielle Sicherheit ihrer Klientin kümmerten. Frau X. erhielt Feuerholz, Kleidung und Essen und ihr Anspruch auf Sozialhilfe wurde durchgesetzt. Anschließend fanden therapeutische Sitzungen statt, sie dienten dem Aufbau von Vertrauen und der psychischen Stabilisierung der Patientin, die sich langsam einstellte. Seit einiger Zeit erledigt Frau X wieder eigenständig die Arbeit in ihrem Haushalt. Sie geht auch wieder auf Menschen zu und knüpft Freundschaften. Ihr Lebenswille und ihre Energie sind zurückgekehrt. Frau X. ist davon überzeugt, dass es sich für ihre Schwiegertochter, ihre Tochter und ihre Enkel zu leben lohnt.

Aber das Leben in Kosova ist hart, das Gebiet hat unter der UNMIK Bürokratie keinerlei soziale Perspektive. In vielen Teilen Kosovas regiert männliche Gewalt. Viele internationale Hilfsorganisationen verlassen Kosova, weil sie kommerzielle Unternehmungen sind. Kosova ist international kein Thema mehr, für Arbeit in dem Gebiet gibt es keine Knete. Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen, der Menschenrechtsverein in Pristhina arbeitet aktiv für die Gleichberechtigung der Frau. Wichtig war es und ein nicht zu unterschätzendes Signal, dass die PDK im letzten Wahlkampf die Schriftstellerin und Menschenrechtlerin Flora Brovina als Präsidentschaftskandidatin gegen Ibrahim Rugova aufstellte. Der Vorgang glich einer kleinen Kulturrevolution.

Quellen: Medico Kosova, KMDLJ, Epoka E Re 2.2.05 http://www.a-i-z.net/maxbrym