Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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20.02.2019
Vollbild anzeigenAm 8. März demonstrierten viele Frauen vor dem Regierungssitz in Prishtina, für ihre Rechte. Besonders signifikant wurde das Thema: Schicksal der vergewaltigten Frauen während des letzten Krieges mit  Serbien behandelt. Nach Angaben von Igballe Rogova vom Kosova Women s Network, wurden in dieser Zeit rund 10.000 Frauen vergewaltigt. Die Täter waren serbische Faschisten Tschetniks und Soldaten. Zudem ist das Thema der .damaligen Vergewaltigungen

ein Tabuthema im kosovarischen Diskurs. Im Jahr 2000 schrieb die seriöse Zeitung „ Koha Ditore“ einen Artikel mit der Überschrift „ Kinder der Schande“. Gemeint waren die Kinder von vergewaltigten Frauen. Fast keine Frau in Kosova wagt es sich als vergewaltigte Frau zu bekennen. Oftmals gelten diese traumatisierten Frauen in der kosovarischen Gesellschaft als „ schadhafte Produkte“. Offiziell wird über dieses Thema geschwiegen. Nur bestimmte Frauenorganisationen, und die Einrichtung von „Medica Mondial“  in Gjakova arbeiten mit den Opfern. Die „ Bewegung für Selbstbestimmung“ ( LPV) führte am Abend des 8. März eine Veranstaltung zum Thema  „Vergewaltigungen in Kosova“ durch. Auf der Veranstaltung sprach der LPV Abgeordnete Afrim Kasolli und Frau Nazlie Bala,  Die Frauen forderten am Vormittag vor dem Parlament „ Eine Entschädigung für weibliche Opfer und Renten für vergewaltigte Frauen. Bis zum heutigen Tag ignoriert die Regierung Thaci diese Forderung. Generell leiden Frauen in Kosova besonders unter der sozialen Krise. Die Arbeitslosenzahl  der Frauen liegt bei 65%. Es gibt in Kosova keinerlei Arbeitslosengeld.  Die Frauen leben in Not und Elend. Immer häufiger sind sie häuslicher männlicher Gewalt unterworfen. Viele Männer sind selbst entweder arbeitslos oder extrem schlecht bezahlt in Kosova. Der Wut und der Frust über diese Lage wird häufig durch männliche Gewalt gegenüber Frauen kompensiert. Die Scheidungsrate ist dennoch in Kosova sehr niedrig, weil sich Frauen fürchten ohne Mann überhaupt  kein Geld mehr zu haben. Außerdem kommt in einigen Fällen die familiäre Ächtung hinzu. Der Neoliberalismus und die rücksichtslosen Privatisierungen in Kosova treffen am härtesten die Frauen. Dennoch sind die Frauenorganisationen  in Kosova nicht bürgerlich feministisch. Sie fordern ein Sozialprogramm für Frauen und Mädchen, aber auch ein Programm gegen die generellen sozialen Verwerfungen in Kosova.  Die Frauenorganisationen Kosovas sind bereit gemeinsam mit den Männern für soziale Gleichheit zu kämpfen. Diese Position erinnert mehr an Klara Zetkin als an Alice Schwarzer.

 

 

Gegen den Sexismus in Kosova

 

In Kosova gibt es die Prostitution erst als Massenphänomen seit  die „ Internationalen“ im Land sind. Die Hochbezahlten EULEX Missionare, die verschiedensten internationalen Wohltäter aus unterschiedlichen Organisationen benötigen „ Wein Weib und Gesang“.  All das wird in Prishtina geliefert. Es gibt fast kein internationales oder kosovarisches Büro, ohne eine Vielzahl von jungen „hübschen“ weiblichen Beschäftigten. Oft finden sich Anzeigen in der kosovarischen Presse wonach „ hübsche Frauen bis 30“ von nationalen oder internationalen männlichen  „ Würdenträgern“ angefordert werden. Der Umkehrschluss ist klar, eine Frau hat nur Chancen wenn sie „ hübsch“ jung und unterwürfig ist. Dieses Phänomen existiert überall in Kosova, von der Hochschule bis hin zum „EULEX Zeltlager“. Die Werbung und die Sendungen im kosovarischen TV reproduzieren dieses Frauenbild. Es gibt  viel zu tun um die Zustände zu ändern. Nach August Bebel gibt es „keine gerechte Gesellschaft ohne Befreiung der Frau“.