Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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06.10.2022

Vollbild anzeigenDer Herausgeber von Kosova-Aktuell Max Brym gab Herrn Ardit Rada für die albanische Tageszeitung   "Shekulli" ein Interview, Wir spiegeln das Interview in Auszügen. A.R: Herr Brym, Sie sind ein Kenner der Albanischen Sprache, aber auch der Politik in Kosovo und Albanien. Wie ist diese Liebe für die Albaner entstanden? ----- Foto Fehmi Lladrovci -----

 

Max Brym: Ich bin ein in Deutschland geborener Jude. Albanien war nach der faschistischen Besatzung im Jahr 1945 das einzige Land in Europa, indem es nach der deutschen Besatzung wesentlich mehr Juden gab als vorher. Diese historische Tatsache prägte sich bei vielen Juden und Jüdinnen tief in das kollektive Bewusstsein ein. Daher kam mein ursprüngliches Interesse an Albanien. Gleichzeitig war ich in den siebziger Jahren in einer an dem damaligen Albanien ausgerichteten maoistisch enveristischen Gruppierung. Wir träumten von der Revolution und hielten Albanien für ein fortschrittliches sozialistisches Land. Dies war ein schwerer Irrtum wie sich später herausstellte.


A.R: Ihr Nachrichtenportal "Kosova Aktuell" ist eine Investition für die Albaner oder ein Engagement, um Europa gewisse Wahrheiten darzustellen?

Max Brym:  In der Tat, in Deutschland wissen viele Menschen über Albanien und Kosova nicht Bescheid. Die massive Armut, die Korruption in Kosova und Albanien ist für die meisten deutschen Medien kein Thema. Wichtig scheint für den deutschen Staat nur zu sein, dass in Albanien und Kosova Stabilität herrscht. Wie die Menschen leben ob sie Arbeit und Brot haben ist uninteressant. Diese Betrachtung Kosovas und Albaniens will Kosova-Aktuell aufbrechen.

A.R:  Sie haben Albanien mehrmals besucht ist Ihrer Meinung nach, ist die europäische Politik gerecht mit den beiden albanischen Staaten?

Max Brym : Fehmi Lladrovci sagte in seinem berühmten Interview dem britischen Sender BBC: „ Europa ist eine alte Hure“ Diese drastische Ausdrucksweise trifft die Realität. Albanien wird als günstiger Lieferant von Rohstoffen gesehen. Italienische Textilfabrikanten beuten vor allem albanische Textilarbeiterinnen schrecklich aus. Kosova wird das Recht auf Selbstbestimmung, wozu auch das Recht gehört sich mit Albanien zu vereinigen, verweigert. Die Politik der europäischen Staaten gegenüber Kosova und Albanien ist nicht gerecht, sondern sie ist geprägt von neoliberal imperialen Interessen. Die Menschen in Kosova und Albanien sollten sich positiv auf die sozialen Widerstandsbewegungen in Europa beziehen. Die von der EU propagierte Freiheit ist nichts Wert ohne soziale Gleichheit. Umgekehrt hat die soziale Gleichheit keinen Wert ohne Freiheit.

A.R: Wann haben Sie Albanien und Kosovo zum ersten Mal besucht?

 

Ich war 1981 das erste Mal in Albanien und 1983 in Kosova. In Kosova sperrte man mich allerdings gleich drei Wochen ein, weil die jugoslawischen Behörden meinten  ich hätte was mit der oppositionellen albanischen Diaspora zu tun.

A.R :Sie unterstützen die Aktionen der Bewegung Vetëvendosja. Sind ihre Proteste legitim, Ihrer Meinung nach? Braucht Albanien wirklich eine solche Bewegung?

Max Brym: Ich betrachte die Bewegung Vetëvendosja mit großer Sympathie. Die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts ist ein elementares demokratisches Prinzip. Gleichzeitig setzt sich die Bewegung Vetëvendosja für soziale Rechte ein und steht gegen die Privatisierung der strategischen Reichtümer Kosovas. Ihre Proteste und Anliegen entwickeln demokratische Widerstandskultur. Das ist legitim und nötig.

A.R: Es gibt einen Moment in Ihrem Leben, in dem Sie Enver Hoxha getroffen haben. Wie war dieses Treffen?

Max Brym Ich hatte kein persönliches Treffen mit Enver Hoxha. Im Jahr 1983 empfing Enver Hoxha eine deutsche Delegation der ich angehörte. Dieser Termin war geprägt durch lange Ausführungen von Hoxha. Daneben gab es noch eine komische Szene. Der jetzige Ministerpräsident Albaniens Sali Berisha, war damals so etwas wie der Leibarzt von Enver Hoxha. Ich erlebte wie Enver Hoxha, Sali Berisha herunter putzte weil Berisha es wagte Hoxha vor „zufiel Zigaretten und Cafe zu warnen“. Berisha als Angehöriger der damaligen stalinistischen Nomenklatur verließ wie ein geprügelter Hund mit eingezogenem Kopf den Raum. Hoxha sprach gut aber ich merkte während des Gesprächs: Es gibt in Albanien keine Kombination von sozialer Gerechtigkeit und Demokratie.

A.R. Denken Sie, dass die Vereinigung von Albanien und Kosovo nötig ist? Kann das durch die beiden Ministerpräsidenten, Sali Berisha und Hashim Thaci ermöglicht werden?

.Ob die Vereinigung zwischen Albanien und Kosova nützlich und wünschenswert ist müssen die Menschen selber entscheiden dürfen. Das Problem ist, dass ihnen das Selbstbestimmungsrecht darüber verweigert wird. Die Herren Berisha und Thaci, denken zuerst an ihre eigene Geldbörse und dann auf die Stimmen von internationalen Diplomaten. Die Interessen des Volkes kommen dabei nicht vor. Eine Vereinigung ist mit diesen beidem Ministerpräsidenten nicht machbar. Es stellt sich sogar die Frage, ob es bei Beibehaltung der sozialen Not in Albanien und Kosova wünschenswert ist sich zu vereinigen. Ich denke, dass der Kampf um nationale Einheit verknüpft werden muss mit dem Kampf für soziale Gleichheit.