Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
09:27
29.11.2021
Auf dem deutschen Buchmarkt ist im Suhrkamp- Verlag -kürzlich ein neues Buch- des slowenischen Philosophen und Psychoanalytikers Slavoj Zizek erschienen. Das Buch hat den Titel ; Auf verlorenem Posten“. In dem Werk stellt Zizek, die Frage nach der Zukunft und entlarvt den Kapitalismus als unhaltbares System. Von Zizek gibt es auch in albanischer

Sprache das Buch „Ausgewählte Essays“. Unterstützt wurde die Herausgabe des Buches von der „Gruppe für die Untersuchung von soziologischen und philosophischen Fragen“. Die Gruppe hat ihren Sitz in Prishtina, zu erreichen unter http://www.kritikasociale.org/ .In der albanischen Sammlung nimmt Zizek u.a. zu Fragen wie der NATO-Luftangriffe gegen das ehemalige Jugoslawien Stellung.Es ist eine Kritik an dem Buch „ Empire“ von Michael Hardt und Antonio Negri enthalten, sowie Essays über Lenin, das Kommunistische Manifest und Žižek Interviews über den Atheismus, eine Kritik des Anarchismus usw. In dem neuen deutschen Werk geht es ausgehend von der weltweiten Finanzmarktkrise um eine Kapitalismuskritik, welche dieses System grundsätzlich in Frage stellt. Im Klappentext des Suhrkampverlages heißt es hierzu: „ Slavoj Zizek - Der Kapitalismus, so Slavoj Zizek, gleiche einer Comicfigur, die stolz über den Dachfirst hinaus ins Leere läuft - um dann jäh abzustürzen. In seinem neuen, kämpferischen Buch setzt sich Zizek mit den Perspektiven der Linken auseinander: Er entlarvt die Widersprüche des Neoliberalismus, diskutiert die Positionen von Alain Badiou und Antonio Negri und untersucht, inwiefern die Debatte um den Klimawandel ein Indiz darstellt für ein »Unbehagen in der Natur«. Dabei erweist er sich wieder als das externe Hirn seiner Leser: Er sieht die Filme, registriert die Nachrichten und macht sich darüber die Gedanken, für die wir keine Zeit haben.

 

Über den Autor

Slavoj Zizek, 1949 in Ljubljana geboren, Psychoanalytiker und Professor für Philosophie, rief schon früh eine Gruppe von Theoretikern ins Leben, die ihr Denken an den Thesen von Jacques Lacan schärfte. Die slowenische Lacan-Schule war ein geistiges Widerstandsnest im orthodoxen Ex-Jugoslawien, und Slavoj Zizek ging als global operierender Philosophie-Entertainer daraus hervor. Zahlreiche Publikationen (u.a. Die Grimassen des Realen, Die Metastasen des Genießens, Das Unbehagen im Subjekt, Plädoyer für die Intoleranz) machten ihn international bekannt.“



Auf Amazon DE befindet sich eine hervorragende Rezension des Buches unter

http://www.amazon.de/Auf-verlorenem-Posten-Slavoj-Zizek/dp/3518125621


Ein Philosoph und Psychoanalytiker erklärt uns die gegenwärtige Krise unserer Wirtschaftsordnung. Das ist wichtig, denn es kommt darauf an, einen Standpunkt außerhalb des zu betrachtenden Systems anzunehmen, wenn man seine Mechanismen verstehen will. Er stellt klar, warum die "Krise", die dann in den Medien, in Talkshows mit Vertretern der Wirtschaft und ihrer Politiker doch wieder keine richtige Krise des Systems ist sondern nur eine kleine Delle in einer als ewig wachsend angenommenen Seifenblase darstellen soll - uns zwar angeht aber doch nicht so um die "Systemfrage " zu stellen. Wir sollen betroffen sein aber mit unserem Denken und Handeln immer innerhalb des Systems bleiben.
Dank dieser Katastrophisierung (was geht uns eigentlich die Bankenkrise an) müssen die Menschen sich halt mehr den globalen Anforderungen stellen, auch wenn unklar bleibt, wer - die Arbeitnehmer in den alten Industrienationen, in den Schwellenländern, in der 3. Welt - nun eigentlich der Profiteur ist. Die Sozialisierung der Verluste bleibt so schön in dunklen. Und während innert Stunden Großinvestoren gerettet werden müssen (privatisierte Systemrelevanz) bleibt die Vorhaltigkeit, die Sorge um Umweltschutz, Klima, Rohsoffe usw. schön Aufgabe der Bevölkerung, die an die Enkel denken soll. (Ist doch so gesehen ganz gut wenn die Leute keine Kinder mehr bekommen, oder?)
Wenn alles das mal nicht klapp - hier kommt der Psychoanalytiker zum Zug - so sind einzelne Banker als Person schuld, nie jenes auf Gier beruhende Wirtschaftssystem, dass es diesen erst ermöglicht hat sich ebenso zu verhalten. Scheitern ist hier immer persönliches Scheitern, die Wirtschaftsordnung kann dank der kapitalisitschen - fordistischen Weltanschauung nie scheitern und darüber darf auch nicht diskutiert werden, denn wie eine Religon ist sie außerhalb jeder Kritik.
Klar, daß dies Buch der Aufklärung nicht zu den Top 10 der Sachbücher in unseren führenden Print- Medien zählen wird.


Slavoj Zizek "Auf verlorenem Posten" Ein Auszug

"Durch ihren furchterregend komischen Charakter machte es die Finanzkrise unmöglich, die offenkundige Irrationalität des globalen Kapitalismus zu ignorieren-wie Alain Badiou es prägnant ausgedrückt hat:
"Von gewöhnlichen Bürgern wird verlangt zu verstehen, dass es vollkommen unmöglich sei, das finanzielle Loch in der Sozialversicherung zu stopfen, dass man aber, ohne nachzuzählen, Milliarden in das Bankenloch stopfen müsse. Wir sollen allen Ernstes zustimmen, dass es für niemanden mehr in Betracht kommt, eine Fabrik, und zwar eine mit tausenden von Arbeitern, zu verstaatlichen, die sich aufgrund der Marktkonkurrenz in wirtschaftliche Schwierigkeiten manövriert hat, dass das gleiche aber völlig auf der Hand liege bei einer Bank, die sich durch Spekulation ruiniert hat." Man sollte diese Aussage verallgemeinern: Wenn es um die Bekämpfung von AIDS, Hunger, Wassermangel, globaler Erwärmung usw. geht, gibt es, obwohl wir die Dringlichkeit dieser Probleme erkennen, immer genug Zeit, um zu überlegen und um Entscheidungen zu vertagen(man erinnere sich, dass viele Beobachter sich darin einig waren, dass es das wichtigste und absolut begrüßenswerte Ergebnis des letzten Klimagipfels auf Bali gewesen sei, sich in zwei Jahren erneut treffen zu wollen, um dann die Gespräche fortzuführen...)- aber bei der Finanzkrise mußte unbedingt sofort gehandelt werden, man trieb sofort eine Summe auf, die jenseits aller Vorstellungskraft liegt. Die Rettung bedrohter Tierarten, die Rettung des Planeten vor der globalen Erwärmung, die Rettung von AIDS-Patienten oder von Kranken, die aufgrund des Mangels an Geld für teure Behandlungen oder Operationen sterben, die Rettung verhungernder Kinder - das alles kann ein bisschen warten, aber der Ruf "Rettet die Banken!" ist ein bedingungsloser Imperativ, der nach sofortigem Eingreifen schreit, und das auch noch erfolgreich. In diesem Fall war die Panik absolut, eine transnationale und überparteiliche Position wurde sofort gefunden und jeglicher Groll zwischen den Weltmächten war augenblicklich vergessen, als es darum ging DIE Katastrophe abzuwenden. .....
Und vergessen wir außerdem nicht, dass diese unvorstellbare Geldsumme nicht für eine "reale" Maßnahme ausgegeben wurde, sondern allein, um das Vertrauen in die Märkte wieder herzustellen - es ging also um eine Sache des Glaubens! Bedarf es einen weiteren Beweises dafür, dass das Kapital das Reale unseres Lebens ist, ein Reales, dessen Forderungen viel absoluter sind als selbst die dringlichsten Forderungen unserer sozialen und natürlichen Realität?"